Lübars

Jugendfarm Lübars 3

 

Familienfarm Lübars

Die Familienfarm in Reinickendorf ist ein echtes Naturerlebnis in Berlin! Auf der Minifarm kann der gestresste Großstädter mit Backhaus, Imkermuseum, Töpferattelier und einer Gärtnerei Ruhe und Entspannung finden.

Die Familienfarm Lübars stellt mit der charakteristischen Gehöftform im Märkischen Stil und einem gemischten Tierbestand einen typischen märkischen Bauernhof dar. Er wird traditionell betrieben und steht jedem Besucher offen. Ein Muss bei jedem Besuch ist ein Rundgang durch die Tiergehege: Artgerecht und mit viel Platz finden hier bekannte und weniger bekannte Arten von Schweinen, Schafen, Eseln, Ziegen, Hühnern, Kühen, Enten, Gänsen, Pferden und Kaninchen ein Zuhause. Und selbst ein eigener Bienenstock ist vorhanden! Auf der Farm gibt es für Besuchergruppen, vor allem für Schulklassen und Kindergruppen spezielle Angebote: Von einem Biologielehrer erfahren die Kinder wissenswerte Einzelheiten über die Tiere und können Brot backen, Butter herstellen, Wolle verarbeiten, Hühner beobachten und vieles mehr. Neben den Tieren können auch die Blumen und Nutzpflanzen im Bauerngarten angesehen und bestimmt werden. Mindestens ebenso viel Spaß machen die spannenden Kurse, in denen man traditionelles Handwerk erlernen kann. Unter fachkundiger Anleitung darf man sein eigenes Bauernbrot backen, das Melken üben oder beim Wollspinnen dabei sein. Für aktive Kinder wird eine Holzwerkstatt angeboten und wer will, kann hier töpfern lernen.

In den großen Ferien können Kinder von Montag bis Freitag die Alte Fasanerie unsicher machen, bei der Ernte mithelfen, Tiere pflegen, gemeinsam kochen, basteln und die Natur entdecken.

Die Bauernschänke lädt zur Erfrischung und Stärkung zwischendurch und hinterher ein. Nebenan gibt es einen Erlebnisspielplatz und den Freizeitpark Lübars.

1740-1786 ließ König Friedrich II. für sein Rosenthaler Gut auf der kirchlichen Lübarser Feldmark eine Fasanerie errichten. Daher stammt der Beiname „Alte Fasanerie“ für die Familienfarm. Ende des 19. Jahrhunderts wird die Fasanenzucht jedoch wegen landwirtschaftlicher Nutzung der Fläche aufgegeben.

In 1978 übernahm das Bezirksamt Reinickendorf die Fläche und es reifte die Idee, auf dem Gelände der zwei ehemaligen Schweinemästereien einen Bauernhof zu bauen, der vor allem Kindern und Jugendlichen einen Einblick in das Landleben geben sollte. Die charakteristische Gehöftform als „Geviert“ (ein rechteckiger Hof, der von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden wie Ställen und einer Tenne umrahmt ist) wurde märkischen Bauernhöfen nachempfunden. Seit 2003 wird die Familienfarm wieder von gemeinnützigen Organisationen geführt. Diese kämpfen jedoch jährlich um die finanziellen Mittel zum Erhalt der Farm. Spender sind daher herzlich eingeladen, am Fortbestand dieser großartigen Einrichtung mitzuwirken. Träger der Alten Fasanerie ist seit 2014 das Elisabethstift, das seit Jahren in Berlin in der Kinder- und Jugendhilfe aktiv ist und zwei Kitas und eine Schule in Reinickendorf betreibt.

Obwohl man sich heute längst wieder unproblematisch zwischen Berlin und Brandenburg bewegen kann, bleibt die Familienfarm Lübars vor allem für Schulklassen, Kindergartengruppen und Familien ein attraktives Ausflugsziel. Denn dieser spezielle Bauernhof ist nicht nur gut zu erreichen, sondern – im Gegensatz zu den meisten „normalen“ Bauernhöfen – auch auf eine Vielzahl von neugierigen und wissensdurstigen kleinen und großen Besuchern eingerichtet.

Lübarser Höhe 6

 

Lübarser Höhe

Mit einer Höhe von 85,3 Metern liegt der höchste Punkt des Bezirks Reinickendorf im knapp 40 Hektar umgebenden Freizeit- und Erholungspark Lübars. Seit der Namensgebung am 14.05.2010 erinnert kaum noch etwas an den einstigen Müllberg.

Hier rodelt man im Winter auf der größten Bahn Berlins, die sogar über eine echte Flutlichtanlage verfügt, oder trifft sich bei einem Lagerfeuer in der Alten Fasanerie. Bei gutem Wetter schaut man hier über die Lübarser Getreidefelder bis zu den Plattenbauten im Märkischen Viertel und darüber hinaus nach Brandenburg. Dort oben wird einem deutlich, wie nah sich abgeschiedene Natur und lebhafte Wohnviertel in Berlin oft sind.

1957 bis 1982 wurden auf dem Gelände des heutigen Freizeitparks ca. 2,9 Mio. Tonnen Hausmüll abgelagert.

Während in England 1911 schon 460 Städte über eigene Müllverbrennungsanlagen verfügten, fand die Müllverbrennung in Deutschland keine breite Verwendung. Bis zum Jahr 1958 verfügte Berlin über 33 Müllabladeplätze. Nach Verabschiedung des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) mussten die meisten Deponien geschlossen werden. Verblieben waren lediglich fünf große Plätze, unter anderem der Lübarser Müllberg. Mit dem Ergebnis eines 1970 vorgelegten Berichtes wurde die jährliche Steigerung der Abfallmenge künftig auf 5-6 Volumenprozent geschätzt. Anhand solcher Zuwachsraten war von einer baldigen Erschöpfung der vorhandenen Müllablagerungsplätze in Berlin (West) auszugehen. Ein 20-jähriger Verbringungsvertrag mit der DDR löste vorerst das Problem und erweckte ab 1969 die Überlegungen zur Rekultivierung der Deponien. In 1974 erstellte der Senat einen Investitionsplan mit einer Gesamtbausumme von 72 Mio DM für die forstliche Bepflanzung und die Errichtung von Freizeitparks. Bis 1975 waren die wesentlichen gestalterischen Maßnahmen in Lübars abgeschlossen, die Wanderwege fertiggestellt sowie die beiden Rodelbahnen angelegt. Im Jahr 1976 wurde die Genehmigung erteilt, auf dem Südteil der Deponie weitere 900.000 m³ Abfälle abzulagern, um auch in diesem Bereich günstigere Neigungsverhältnisse der Deponieböschung zu schaffen. Die geplante Bepflanzung war jedoch wegen des Deponiegases häufig gescheitert, es waren hohe Ausfälle bei den Jungpflanzen zu beobachten. So stellte das beim biologisch-chemischen Abbau der Müllkörper entstehende Deponiegas nicht nur für den Deponiebetrieb, sondern auch für die Rekultivierung eine Gefahr dar. Nach einem erfolgreichen Test wurden in den Jahren 1975/76 erstmalig auf drei Berliner Deponien – Rudow, Lübars und Wannsee – je fünf Entgasungsanlagen in Betrieb genommen. Die Anlagen bestanden aus sieben Meter tiefen Gasbrunnen, aus denen mit Hilfe von Membranpumpen 11 m³ Deponiegas pro Stunde gefördert und abgefackelt wurden.

Es war jedoch nicht auszuschließen, dass sich die Besucher eines von einer Deponie in einen Freizeitpark umgewandelten Geländes der Gefahr des Deponiegases aussetzen könnten. Aus diesem Grund wurde die großflächige Entgasung über die offenen Deponieoberflächen empfohlen. Dementsprechend wurde eine Oberflächen-Gasdrainage in einem Teil der Deponie Lübars nachträglich eingerichtet.

1985 bis 1995 nutzte eine benachbarte Teppichfabrik das Deponiegas energetisch, jedoch wurde es  – wegen der geringeren Ausbeute – anschließend über eine Fackel verbrannt. Seit 2006 betreibt die BSR die Gasfassung und –behandlung. Seit 2010 wurden neue Tiefbrunnen (17- 32 m tief), neue Gasleitungen und eine neue Gasabsaugung und -behandlung installiert. Die neue Anlage wurde auf einer Wiese nördlich der Hügelkuppe errichtet. Erst wenn kein Deponiegas mehr entsteht, wird die Gasanlage endgültig abgebaut.

Freizeitpark Lübars

 

Freizeitpark Lübars

Der Freizeitpark Lübars im nördlichen Berlin-Reinickendorf ist ein 39,6 ha großer, abwechslungsreicher Freizeit- und Erholungspark und ein beliebtes Ausflugsziel in die Natur.

Der ab 1975 als notwendige freizeitorientierte Ergänzung des dicht bebauten Märkischen Viertels entstandene Park bietet als Besonderheiten eine Jugendfarm, die Lübarser Höhe mit gleitfluggeeignetem Flughang und einem 300 m langen Ski- und Rodelhang mit Flutlicht. Außerdem gibt es einen Erlebnisspielplatz, Wanderwege, Radwege, Liegewiesen, Grillplätze und Aussichtspunkte. Im Winter 2004 wurde die erste Skatebahn abgebaut und durch eine Halfpipe aus Plastikmaterial ersetzt. Die Nutzung ist durch das temperaturanfällige Material jedoch stark eingeschränkt.

Kern des Freizeitparks Lübars ist ein 85,3 m hoher künstlicher Hügel mit einem aufgeschichteten Natursteinkreis auf dem Gipfel. Am 13. Mai 2010 erhielt der Hügel in einer Zeremonie den Namen Lübarser Höhe. Zwischen dem Abschluss der Begrünungsarbeiten und der Namensverleihung nutzte die Verwaltung die Bezeichnung Volkspark Lübars. Bis in die 1970er Jahre diente die Fläche als Mülldeponie, dann wurde sie geschlossen und schrittweise in einen Park umgewandelt. Viele Einwohner der näheren Umgebung nennen den Hügel noch heute Müllberg.

Für Familien mit Kindern ist vor allem der Erlebnisspielplatz am Rande des Freizeitsparks ein besonderes Highlight. Er verfügt über zahlreiche Rutsch- und Kletterkombinationen und Wasserspiele sorgen im Sommer für eine erfrischende Abkühlung. Auch die Alte Fasanerie, ehemals als Jugendfarm Lübars bekannt, befindet sich nebenan und bietet neben einem Hofladen vor allem auch verschiedene landwirtschaftliche Einblicke sowie Ställe und Tiergehege.

Seit einigen Jahren finden hier musikalische Festivals, wie der Schlager-, Rap- und 90er-Olymp statt.

Über die Wanderwege gelangt man vom Freizeitpark Lübars ausgehend je nach Strecke über die Felder ins benachbarte Blankenfelde im Bezirk Pankow oder ins brandenburgische Umland. Ein Spaziergang entlang der Felder ist zu jeder Jahreszeit lohnenswert. Hier kann man sich von der Landschaft begeistern lassen und bis hin zum Botanischen Volkspark Blankenfelde-Pankow laufen. Nur in der Ferne sieht man in Richtung Osten die Kuppel des Fernsehturms, in Richtung Westen sieht man die oberen Stockwerke der Hochhäuser des Märkischen Viertels.

Lübars Krankensammellager

 

Gedenkstätte Krankensammellager Blankenfelde

Das Krankensammellager Blankenfelde, zwischen der Bahnhofstraße und dem Alten Bernauer Heerweg gelegen, war von 1941 bis 1945 ein verschleiernd „Krankensammellager für arbeitsunfähige Ostarbeiter“ genanntes Lager, in dem Männer und Frauen aus der Sowjetunion, die zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich deportiert worden waren und die als nicht mehr verwendbar für den „Arbeitseinsatz“ angesehen wurden, bis zum Tod eingesperrt wurden, bzw. werden sollten. Infolge der schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen erkrankten viele Zwangsarbeiter an Lungentuberkulose. Für den »Arbeitseinsatz« nicht mehr brauchbar, kamen sie – oft nicht einmal 25 Jahre alt – in das Lager. Ursprünglich sollten diese Menschen in ihre Heimat zurückgebracht werden, doch diese Transporte wurden bald eingestellt.

Die Verhältnisse im Lager waren menschenunwürdig: Es gab keine Medikamente, kaum Nahrung, nicht einmal Matratzen oder Decken. Die hygienischen Verhältnisse waren katastrophal. 700 Todesfälle konnten bisher nachgewiesen werden. Als häufigste Todesursachen wurden auf NS-Dokumenten Lungentuberkulose und Typhus genannt, die eine Folge von Mangelernährung sind.

Wenn der Lagertitel Krankensammellager als Tarnbegriff verstanden wird, fügt sich das Lager und die darin erfolgte Nichtversorgung von kranken Arbeitskräften in die NS-Politik der Vernichtung durch Arbeit ein. Nur das Kriegsende konnte den Tod einiger der hier Gefangenen verhindern.

Das Lager in Blankenfelde, sei anfangs als Durchgangslager für Zwangsarbeiter genutzt worden, die von hier aus über das Deutsche Reich verteilt worden seien, berichten Zeitzeugen. Mindestens 80.000 Menschen seien durch das Lager geschleust worden. Noch früher habe die Reichsbahn auf dem Gelände direkt neben einer Bahnlinie eigene Zwangsarbeiter untergebracht. Auch Kriegsgefangene und Häftlinge der Gestapo waren zeitweise hier eingesperrt, bevor 1941 das Krankensammellager eröffnet wurde. Zum Lager gehörten unter anderem sieben Wohn- und Schlafbaracken, eine Wirtschaftsbaracke, eine Verwaltungsbaracke sowie eine Sanitätsbaracke. Am 21. April 1945 wurde das Lager von der Roten Armee befreit.

Von den Holzbaracken, die hier standen, ist nichts mehr zu sehen. Lediglich einige Fundamentreste konnten von einer Initiative für einen Gedenkort freigelegt werden. Außer einer Luftaufnahme sind bisher auch keine Bilder aus dem Lager aufgetaucht.

Bis vor wenigen Jahren waren die Geschichte des Lagers und das Schicksal der Menschen, die dort unter menschenunwürdigen Bedingungen leben mussten, verdrängt und vergessen. Bürgerinnen und Bürger aus Pankow und Reinickendorf möchten gemeinsam an die Geschichte des Lagers erinnern. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet eine Bürgerinitiative gemeinsam mit dem Kunsthistoriker Bernhard Bremberger an der Aufarbeitung der Geschichte dieses Lagers. 2009 gründeten sie einen Runden Tisch und setzten sich unter anderem dafür ein, dass eine Informationstafel auf dem Gelände zwischen der Bahnhofstraße in Blankenfelde nach Lübars und dem Bernauer Heerweg aufgestellt wird, die am 27.01.2012 feierlich enthüllt wurde.

Köppchensee

 

Köppchensee

Auch der Köppchensee ist ein durch Torfabbau (Bis ca. 1930) entstandener See, der nach einem ehemaligen Wiesenpächter benannt wurde. Er bietet einen herrlichen Aussichtspunkt und eine schöne Möglichkeit für einen Rundwanderweg. Das Gebiet um den Köppchensee mit seinen Altobstplantagen und verschiedensten Lebensräumen liegt am Tegeler Fließ zwischen Lübars und Blankenfelde, direkt an der damaligen Grenze. Die Berliner Mauer verlief westlich des Gewässers. Für den Mauerbau wurde ein Teil des Sees zugeschüttet.

See und Umgebung gehören inzwischen zum Naturschutzgebiet „Niedermoorwiesen am Tegeler Fließ“. Das Gebiet weist mit einem Nebeneinander verschiedener Biotope ein reichhaltiges Artenspektrum auf und bildet einen der schönsten Landschaftsräume Berlins. Etwas versteckt gilt es daher heute vielen als „Geheimtipp“.

Der Erhalt von Resten ehemaliger Obstplantagen der Berliner Stadtgüter aus den 1950er Jahren ist für die ehrenamtlichen Naturschützer der NABU-Bezirksgruppe Pankow eine ganz besondere Aufgabe und die Apfelernte der jährliche Höhepunkt ihres Arbeitsjahres.

Natürlich werden nicht alle Früchte der alten Obstanlagen geerntet. So können sich Schmetterlinge, Bienen, Wespen, Vögel und kleine Säugetiere davon ernähren.

Auch die Obstbaumblüte ist eine üppige Nahrungsquelle vor allem für Wildbienen. Gleichzeitig sorgen die Bienen und andere Insekten durch die Bestäubung für eine gute Apfelernte.

Seit 2010 werden viele der alten Apfelbäume wieder regelmäßig geschnitten und gepflegt. Totholz und einige von wildem Hopfen überwachsene Baumruinen bleiben dabei als wertvoller Lebensraum für eine Vielzahl von Organismen erhalten. Hier leben Vögel, Insekten und deren Entwicklungsformen, Spinnen, Kleinsäuger, Moose, Flechten und Pilze.

Mit neuen Pflanzungen werden die abgängigen und vergreisenden Obstbäume im Schutzgebiet ersetzt. So werden alte und selten gewordene Kultursorten erhalten und die Artenvielfalt bewahrt.

Vom Köppchensee am Tegeler Fließ entlang Richtung Westen, an den Pferdeställen von Lübars vorbei, nordwärts direkt durch die Eichwerder Moorwiesen und wieder ostwärts am Fließ entlang zurück zum Köppchensee – sind weniger als 10 idyllisch schöne Kilometer!

Lübars Osterquelle

 

Osterquelle

Leise plätschert im kleinen Wäldchen das Wasser aus dem Stein – die Osterquelle (auch Marienquelle) in den Flachmoorwiesen ist ein lauschiges Plätzchen am Schildower Weg. Sie liefert an einer Schichtgrenze zwischen Lehm und Kies sieben Liter Wasser pro Sekunde mit einer durchschnittlichen Temperatur von 9 °C. Zum Trinken ist das Wasser nicht geeignet, es enthält zu viele Mineralien. Aus neun Röhren speist sich die Osterquelle, doch die meisten sind derzeit versiegt. Wenn es kräftig regnet, sammelt sich das Wasser im Einzugsgebiet, und die Osterquelle beginnt zu sprudeln.

Ein seit Jahrhunderten bekannter, von allerlei Legenden umrankter Ort, ein Stück urtümliche, unverfälschte Natur, wie es scheint, und sogar mit direktem Bezug zum wichtigsten Fest der Christenheit.

Der Weg von der Straße hinunter ins alte Urstromtal wäre auch ohne Quelle einen Osterspaziergang wert. Saftiges Grün, Felder wie Wiesen, wohin das Auge blickt, sanft sich wellende Hügel zur Rechten, links ein silbern blinkender Teich, dazwischen in nicht allzu großer Ferne Büsche und Bäume, zu denen der Pfad sich hinwindet.

Nach wenigen 100 Metern liegt sie zur Rechten, ein gemauertes Halbrund, von frisch sprießendem Laub beschattet. Eine Tafel erklärt grafisch sehr anschaulich, wie sie durch eine Wassersperrschicht aus Lehm, die sich in den sandigen Untergrund geschoben habe, entstanden sei.

Die erste bekannte Erwähnung findet sich in der „Historischen Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg“ von Johann Christoph und Bernhard Ludwig Bekmann, erschienen 1751 in Berlin: „Unweit Lubarsch, entstehet aus einem hohen Berg und untenhin aus den ringsumher hervortreibenden quellen ein Wasser, welches mitten im Sommer, auch in den heißesten Tagen eiskalt ist, jedoch im härtesten Winter niemals zufrieret.“ Das Wasser muss damals also an gleich mehreren Stellen aus der Erde gequollen sein.

Auf die Herkunft des Namens Osterquelle findet sich in der alten Chronik kein Hinweis, vielleicht war er damals noch nicht gebräuchlich. Entstanden ist er durch einen wohl in vorchristlichen Ritualen wurzelnden, in sorbischen Gegenden Brandenburgs teilweise noch lebendigen, hierzulande vergessenen Brauch: Früher holten die jungen Mädchen in der Nacht zum Ostersonntag an der Quelle das heilkräftige Osterwasser. Ihm wurde nachgesagt, dass es Gesundheit und Schönheit fördert. Dazu wusch man sich mit ihm, besprengte das Vieh und auch Menschen, denen man begegnete. Allerdings musste auf dem Weg zur Quelle völliges Schweigen bewahrt werden. Die Burschen versuchten, die Mädchen auf dem Rückweg zu erschrecken oder zum Sprechen zu bewegen. Wurde das Schweigegebot gebrochen, verlor das Osterwasser seine Wirkung.

Auch heute noch spazieren viele Lübarser zu Ostern an die letzte frei sprudelnde Quelle Berlins.

Dorfanger Lübars 4

 

Dorfanger Lübars

Lübars ist eines von sechs Dörfern auf märkischem Sand zwischen Wäldern und Seen, die zum Landkreis Niederbarnim gehörten und den Ursprung des heutigen Reinickendorf bilden. Es ist das älteste Dorf des Bezirks im Berliner Norden. Die Dorfaue war der Mittelpunkt des dörflichen Geschehens. Neben der barocken Dorfkirche gab es dort früher einen Dorfteich. Alle Wohngebäude sind einstöckig und auch gerne mal mit Stuck verziert. Wer am Dorfanger von Alt Lübars aus dem Bus oder Auto steigt, betritt wie durch ein Zeittor eine ländliche Idylle mit krummen Pflastersteinen, Gras mümmelnden Schafen und einer alten Dorfwirtschaft. Seine urigen Gebäude, wie ein reetgedecktes ehemaliges Hirtenhäuschen, das alte Schulhaus oder die Feuerwache mit Übungsturm machen Lübars zu einer Enklave der guten alten Zeit. Wie vom anderen Stern gefallen steht auf dem Anger ein sonnengelber Fernsprecher anno 1934.

Die erste bezeugte, im Original aber leider nicht mehr vorhandene Urkunde, in der das Dorf erwähnt ist, datiert in das Jahr 1247. Urkundlich, leider ohne nähere Angaben über Alter und Entstehung des Bauerndörfchens, wurde durch den Markgrafen festgesetzt, dass die Bauern von Lübars (und Krummensee) ihre Beuth – die Ernte aus den Bienenstöcken, Klotzbeuten genannt – an das 1239 gegründete Spandauer Benediktinerinnen-Kloster abzuliefern hätten. 1270 übereigneten askanische Markgrafen nicht mehr nur die Honigernte, sondern das ganze Dorf dem Nonnenkloster St. Marien zu Spandau. Im Landbuch von 1375 findet sich der Eintrag: »Lubas hat 28 Hufen, von denen der Pfarrer 4 hat. An Pacht zahlt jede Hufe 3 Scheffel Roggen und 3 Scheffel Hafer, an Zins 2 Schilling, an Bede 2 Pfennig. Im Dorf wohnen sechs Kossäten, von denen jeder 1 Schilling und ein Huhn zahlt. Das Dorf gehört von alters her den Nonnen in Spandau.«

Unter den preußischen Königen erholte sich das Dorf von den Folgen des Krieges und der Pest, die 1348 auch hier wütete und von Raubzügen, als dann 1790 eine große Feuersbrunst das halbe Dorf dem Erdboden gleichmachte; in den Flammen gingen damals auch Schmiede, Hirtenhaus, der Hof des Lehnschulzen und die aus Holz- und Lehmwänden bestehende Kirche auf.

Die Dorfkirche Lübars, die sich inmitten alter Bäume auf dem Dorfanger Alt-Lübars erhebt ist eine der über 50 Dorfkirchen in Berlin und Reinickendorfs ältestes Denkmal. Von einem um 1500 aufgestellten Flügelaltar sind noch drei Schnitzfiguren gut erhalten. Im Dachturm hängen zwei kunstvoll gearbeitete Bronzeglocken aus den Jahren 1484 und 1583, Zeugnis des protestantischen Selbstbewusstseins dieser Gemeinde, die damals noch Daldorf hieß. Um die Kirche herum finden sich noch heute historische Grabstellen. Die heutige Kirche wurde von 1791 bis 1794 auf den Grundmauern der 1790 bei einem Großfeuer abgebrannten Fachwerkkirche aus Stein errichtet. Die im Zweiten Weltkrieg beschädigte Kirche wurde von 1950 bis 1956 restauriert.

Auch der Name des Ortes – er enthält das wendisch-slawische Wort »Ljuba« (Liebe), eine slawische Siedlung lässt sich allerdings nicht nachweisen – ist, abgesehen von geringfügigen klanglichen Abweichungen, gleich geblieben: »Lubas« und »Lubasz« im 13. und 14. Jahrhundert, später auch »Lubarsz«, »Libars«, »Lybarsch«, »Liebbarsch« und seit dem 18. Jahrhundert endgültig »Lübars«.

Strandbad Lübars 1

 

Strandbad Lübars

Der bis zu 14 Meter tiefe und 4,7 Hektar große Ziegeleisee, an dem heute das Strandbad Lübars den einzigen Zugang zum ansonsten umzäunten See bietet, hat eine lange Geschichte, die bereits vor rund 3.000 Jahren – in der Bronzezeit – begann. Lehm und Ton wurden in diesem Gebiet abgebaut, um daraus Krüge und Töpfe herzustellen. Ab 1840 entstand die Kühnsche Ziegelei, die in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts um eine Ton- und Zementwarenfabrik erweitert wurde. Nach ihrer Schließung wurde das Fabrikgebäude ab 1880 bis in die 1960er Jahre als Ausflugs- und Gartenlokal „Seeschloss“ mit Tanzsaal und Kegelbahn genutzt. Das Gebäude existiert heute nicht mehr.

1854 wurde eine weitere, modernere Ziegelei errichtet. In ihrem Ringofen konnten täglich bis zu 12.000 Ziegel gebrannt werden. 1924 wurde auch diese Ziegelei geschlossen, ihr 72 m hoher Schornstein 1932 gesprengt. Ein damals zur Fabrik gehörendes Gebäude steht noch heute in der Benekendorffstraße 115, die nach dem ehemaligen Fabrikbesitzer Franz Ulrich von Benekendorff benannt ist. Auch wenn die Ziegeleien verschwunden sind – ihre roten Ziegel sind noch immer zu sehen, unter anderem am Roten Rathaus und am Rathaus Reinickendorf.

Durch den Tonabbau entstand eine Grube in Trapez-Form mit einer Länge von rund 350 Metern und einer Breite von etwa 200 Metern. Ab 1912 bildete sich durch das langsame Einströmen von Grundwasser der See. Er war als Tonstich sogar 30 bis 40 m tief. Weitere Zeitzeugen sind die zwei gefluteten ehemaligen Tongruben (ca. 50 × 50 m und 50 × 150 m). Sie befinden sich westlich, in 500 m Entfernung. Mehrere umliegende Straßennamen erinnern ebenfalls an den Tonabbau.

Heute ist das Gewässer eine blaugrüne Oase. Der Umfang beträgt 912 Meter, doch kann man den See nicht umrunden, da ein großer Bereich gesperrt ist. Während das südliche Ufer von Schilf und Bäumen bewachsen, steil und unzugänglich ist, befindet sich seit 1926 an der nördlichen Seite das Strandbad Lübars mit Liegewiese, weißem Sandstrand samt Strandkörben, Wasserrutsche und Sprungturm sowie Gastronomie.

Während auf der einen Seite Sonnenhungrige und Wasserratten die Strandatmosphäre genießen, brüten auf der anderen Seite Schwäne. Auch der Eisvogel ist hier heimisch. Der Ziegeleisee besticht als offizielle EU-Badestelle durch Sauberkeit und eine ausgezeichnete Wasserqualität. Es handelt sich um ein stehendes Gewässer ohne natürlichen Zu- und Abfluss. An der Westseite des Sees befindet sich eine Verbindungsleitung zum Hermsdorfer See und damit zum Tegeler Fließ, mit welcher der Wasserstand reguliert werden kann.