Tegel

Fussgängerzone Gorkistr. 2

 

Fußgängerzone Tegel

1908 eröffnete Oswald Prenzel auf einem staubigen Weg in Richtung Wittenau einen Marktplatz unter freiem Himmel. Den ersten Weltkrieg überstand man gut, der zweite machte alles wieder zunichte. Nach dem Wiederaufbau in den 1950er Jahren fand der Markt schließlich überdacht statt. Nach dem Tod des Gründers übernahm Sohn Walter Prenzel die Leitung, der einen vollständigen Hallenneubau realisierte. Bis zum Beginn der Umbaumaßnahmen in 2016 haftete der Halle ein ungemütlicher 70er-Jahre-Flair an, was die wenigsten Kunden aber wirklich störte. Die Markthalle war von Beginn an beliebter Treffpunkt bei den Anwohnern, mit ihrem Angebot jedoch auch über die Bezirksgrenzen hinaus bekannt.

Das Tegel-Center an der späteren Fußgängerzone Gorkistraße entstand ab Ende 1969. Der erste Gebäudeteil nördlich an der Buddestraße Ecke Gorkistraße mit dem Hochhaus entstand unter anderem auf dem Gelände des Wochenmarktes. Der südliche Teil entstand in der Gorkistraße und erstreckte sich bis zur Grußdorfstraße. Der Gebäudekomplex, bei dem beide Gebäudeteile mit einer Brücke verbunden waren wurde im Oktober 1972 eröffnet. Die 30.000 qm Nutzfläche boten Platz für 100 Geschäfte mit rund 1.400 laufenden Meter Schaufensterfront.

Das Bezirksamt baute 1978 den etwa 250 Meter langen Abschnitt der Gorkistraße zwischen Berliner Straße und Buddestraße zu einer Fußgängerzone um, die nach dem russischen Schriftsteller Maxim Gorki benannt wurde.

In 2016 begann die HGHI Holding GmbH mit der Modernisierung der Fußgängerzone mit einem Volumen von insgesamt 250.000.000 €. Das Projekt soll zur Attraktivitätssteigerung des Berliner Nordens beitragen. Neben Einkaufsmöglichkeiten sind auch Bürogebäude mit einer Nutzungsfläche von 28.000 m² im Bau. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Projektentwicklung ist die Neugestaltung der traditionsreichen Markthalle, mit ihrer mehr als 100-jährigen Geschichte. Die Wahrung der langjährigen Tradition sowie die gleichzeitige Schaffung eines modernen und zeitgemäßen Ambientes haben bei den Umbaumaßnahmen höchste Priorität.

Das Projekt ist bundesweit einer der ersten zentralen Refurbishments einer kompletten Einkaufsstraße. Die Revitalisierungspläne beinhalten eine grundlegend neu gestaltete Shopping- und Erlebniswelt mit der Vergrößerung der Einzelhandels- und Büroflächen. Das Herzstück der neuen Fußgängerzone ist eine vollständig neu gestaltete Natursteinfassade samt Fassadenrelief, welche zum einen an die vorhandene Bausubstanz angebaut, zum anderen als Neukonstruktion errichtet wird.

Denkmal Absturtzort

 

Denkmal Absturzort eines französischen Militärsportflugzeuges

Zwei Startversuche waren bereits abgebrochen worden, als am 17. Februar 1953 ein Kurierflugzeug, eine Beechcraft C-45 Expeditor der französischen Luftwaffe kurz nach dem Start vom Flughafen Berlin-Tegel in den Forst Jungfernheide versuchte, wegen eines Motorschadens zum ehemaligen französischen Militär-Flughafen Tegel zurückzukehren. Sie fing Feuer, stürzte über der Jungfernheide ab und alle sieben Insassen starben.

Ein Gedenkstein am Westrand des Vogelschutzreservats unweit des Flughafensees und südlich des Maienwerderwegs erinnert an den Flugzeugabsturz. Die Inschrift auf der polierten Fläche eines grauen Granitsteins lautet in deutscher Übersetzung: Hier sind sieben französische Militärflieger in Erfüllung ihrer Aufgabe am 17. Februar 1953 gefallen.

Auf einer vor dem Stein liegenden dunklen Platte sind die Namen der Opfer verzeichnet.

Flughafensee

 

Flughafensee

Ruhig und abseits von größeren Straßen gelegen ist der Flughafensee in Reinickendorf. Auf schönen Uferwegen lässt sich bei einem Spaziergang die Natur genießen.

Der Flughafensee entstand etwa in der Zeit von 1953 bis 1978 durch den Abbau von ca. 2 Millionen Tonnen Kies. Der See ist etwa 30 Hektar groß und mit seiner maximalen Tiefe von 34,3 Meter das tiefste Berliner Gewässer. Gespeist wird der See vom Schwarzer-Graben-Kanal, der das Regenwasser aus Reinickendorf ableitet. Bevor das Wasser in den Flughafensee fließt, passiert es ein vorgeschaltetes Absetzbecken – auch „Vorsee“ genannt. Allerdings ist das Becken bei starkem Regen völlig überlastet, sodass es allenfalls einen Teil der einfließenden Schwebstoffe ausfiltert. In den 1980er Jahren wurde eine zweite biologische Filterstufe geplant. Im Jahr 1986 erhielt der See eine Belüftungsanlage zur zusätzlichen Wasserverbesserung. Das Wasser im Flughafensee wird regelmäßig auf seine Qualität geprüft.

Aus der ehemaligen Kiesgrube hat sich ein echtes Naturparadies entwickelt. Der Baggersee war ursprünglich nicht für den intensiven Badespaß vorgesehen, ein Verbot war im damaligen West-Berlin allerdings nicht umsetzbar. Durch seine günstige Lage, die gute Erreichbarkeit und die Sandstrände, erfreut sich der Flughafensee seit jeher großer Beliebtheit. In den 1980er Jahren wurden offizielle Badebereiche im Landschaftsplan des Sees ausgewiesen. So befindet sich beispielsweise nördlich des Sees ein breiter Sandstrand. Das Reinickendorfer Wohngebiet erstreckt sich östlich des Sees, im Norden und im Westen schließt sich hinter dem See dichter Wald an.

Am Südwest-Ufer befindet sich ein Vogelschutzreservat, welches vom Naturschutzbund e.V. betreut wird. Von drei Aussichtspunkten, lassen sich die gefiederten Bewohner besonders gut beobachten. Zudem wurde in unmittelbarer Nähe zum Rollfeld des Tegeler Flughafens eine beachtliche Artenvielfalt an Pflanzen-, Schmetterlings-, Bienen- und Libellenarten nachgewiesen, von denen viele auf der Roten Liste stehen. See und Reservat gehören zum Landschaftsschutzgebiet Jungfernheide.

Jedes Jahr im Frühling wird der Flughafensee und seine unmittelbare Umgebung gereinigt. Dabei kommen auch immer wieder Taucher zum Einsatz, bei denen der fischreiche See auch sonst sehr beliebt ist. Neben einer ganzen Menge Müll, Fahrrädern und sogar Motorrollern, fand man 2018 sogar einen Tresor in den Tiefen des Gewässers. Dieser wurde nach der Bergung an die Polizei übergeben.

Zwangsarbeiterlager Tegel-Süd 4

 

Gedenkstätte Zwangsarbeiterlager Tegel-Süd

Von 1942 bis 1945 befand sich auf dem Gelände am Billerbeckerweg 123 mit rund 1500 Arbeitern eines der größten Zwangsarbeiterlager Berlins. Betreiber war die Rüstungsfirma Altmärkische Kettenwerke (Alkett), ein Tochterunternehmen von Rheinmetall-Borsig.

Es gehörte zu den rund 140 bisher bekannten Lagern in Reinickendorf und etwa 3000 in Berlin und Umgebung. 1944 gab es in Reinickendorf über 30.000 Zwangsarbeiter, in ganz Berlin rund 400.000, im Deutschen Reich waren es rund 8 Millionen zivile Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge.

Im Gemeinschaftslager Krumpuhler Weg waren „Ostarbeiter“ – Russen, Ukrainer und Weißrussen, seit 1943 auch Franzosen und italienische Militärinternierte untergebracht. Sie mussten die als Soldaten eingezogenen deutschen Arbeitskräfte ersetzen.

Auf dem Gelände standen 38 Gebäude, darunter Mannschafts- und Versorgungsbaracken aus Holz sowie massive Steinbaracken und Werkstätten, Splitterschutzgräben, eine Entlausungsanstalt und ein Schweinestall. Der Haupteingang mit Pförtner befand sich am Billerbecker Weg, ein weiteres Pförtnergebäude am Werdohler Weg.

1955 wurde das Lager umgestaltet in eine Gartenarbeitsschule und ein Mädchenerziehungsheim. Heute sind Spuren aller historischen Schichten vorzufinden. Sowohl die gärtnerische Anlage als auch die Baracken wurden in den 1990er Jahren, unabhängig voneinander, unter Denkmalschutz gestellt.

Im Jahr 2010 wurde durch den Bezirk Reinickendorf auf dem Gelände der Gedenkort „Historischer Ort Krumpuhler Weg“ eingerichtet. Die historischen Schichten werden durch 10 Betonbänke visualisiert. Einige laden ein, Platz zu nehmen und im vorhandenen, idyllischen Gartendenkmal zu verweilen, andere sind gekippt, nicht als Bank zu nutzen und informieren entlang der ehemaligen Lagerstraße über den Ort, die Menschen und die Bedingungen des Zwangsarbeitslagers Krumpuhler Weg.

In einer authentischen Baracke wurde 2016 ein Gedenk- und Informationsraum durch das Museum Reinickendorf eingerichtet.

Neben dem „Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit“ in Schöneweide ist die Geschichte dieses Lagers die bestdokumentierte in ganz Berlin.

Stolpersteine Mannhart

 

Stolpersteine Mannhart-Gruppe

Im März 2015 wurden am Borsig-Tor in Berlin-Tegel vom Künstler Gunter Demnig 13 Stolpersteine, stellvertretend für die Mitglieder der Mannhart-Gruppe verlegt, die aufgrund ihres Widerstandes gegen die nationalsozialistische Zwangsherrschaft Opfer des Naziterrors wurden.

Ganz in der Nähe dieser Stolpersteine ist seit 1984 in die Einfassungsmauer des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der Firma Rheinmetall-Borsig eine Gedenktafel aus Bronze eingelassen, auf der an diese Opfer erinnert wird. Auf dieser Tafel wird die Zahl der ermordeten Männer mit vier angegeben. Neuere Recherchen haben ergeben, dass 13 Männer der Mannhart-Gruppe dem Naziterror zum Opfer fielen. Heute wissen wir außerdem, dass auch ausländische Zwangsarbeiter am Widerstand beteiligt waren und dafür verurteilt und hingerichtet wurden. Eine Informationstafel neben der Bronzeplatte und eine Informationssäule in der Straße Am Borsigturm stellen das Wirken der Mannhart-Gruppe nach dem heutigen Kenntnisstand dar.

Seit 1996 wurden 47.000 Stolpersteine in 18 europäischen Staaten verlegt; allein 6000 in Berlin, mit dem Ziel, die Erinnerung an die Menschen wach zu halten, die verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden.

Die vom Heiligenseer Arzt und Historiker, Dr. Max Klesse, ins Leben gerufene „Mannhart-Gruppe“ leistete von 1942 an organisierten Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur.

Mit ihren Aktionen, besonders mit der Herstellung und Verbreitung von Flugblättern, wollten sie in ihren Wohngebieten ihre Nachbarn und in den Betrieben Kollegen über die nationalsozialistischen Gräueltaten und den Wahnsinn des Krieges aufklären. Dazu wurden in einigen Großbetrieben, in denen Mannhart-Mitglieder arbeiteten, Widerstandsgruppen gebildet. Die größte und bedeutendste war die Betriebsgruppe bei Rheinmetall-Borsig. Vor allem die Arbeiter in der Baukolonne waren ein aktiver, verschworener Kreis und versuchten durch langsames Arbeiten, Sabotage und Fernbleiben von der Arbeit die Rüstungswirtschaft zu behindern. Es gelang auch, Kontakte zu russischen und französischen Fremdarbeitern zu knüpfen.

Im November 1943 fand die letzte Zusammenkunft der Reinickendorfer Mannhart-Gruppe im Geheimen statt. Unmittelbar danach wurden einige Mitglieder verhaftet. Es erfolgten Anklagen vor dem Volksgerichtshof. Die Urteile lauteten auf Todesstrafe.

Auch nach der Verhaftung und Ermordung einer ganzen Reihe von Gruppenmitgliedern konnte Klesse die Arbeit mit seiner angehenden zweiten Frau Sophie bis Kriegsende fortsetzen. Durch geschicktes, professionelles Verhalten und dank der Standhaftigkeit und des eisernen Schweigens der verhafteten Gruppenmitglieder, besonders des Bauarbeiters Otto Dressler, konnte er den Naziterror überleben.

Aber wer war Mannhart? Die Nazis waren ratlos. Es erschienen immer noch Flugblätter, auch bei Borsig. Eines der letzten, als die Sowjetarmee kurz vor Berlin stand, gab Hinweise, Lebensmittellager, Betriebe und lebenswichtige Infrastruktur vor Sprengung und Plünderung zu bewahren, sinnlosen Widerstand zu erschweren und desertierte Soldaten zu verstecken. Gezeichnet war es wie üblich: VKPD. i.A. Mannhart.

Der Name „Mannhart“ war das Programm. „Hart wie ein Mann“ wollten die Mitglieder dieser Widerstandsgruppe für ihre Ziele kämpfen.

Dorfkirche Alt-Tegel 1

 

Alt-Tegel

An die dörfliche Vergangenheit des heute mit 33,7 Quadratkilometern größten Ortsteils Reinickendorfs erinnert nur noch wenig.

Tegel wurde während der mittelalterlichen deutschen Ostkolonisation zusammen mit den übrigen Dörfern des jetzigen Bezirks Reinickendorf von deutschen Siedlern angelegt. Die Lage am Tegeler See sowie einige alte Flurnamen und die geringe Größe der Feldflur legen nahe, in Tegel ein ursprünglich slawisches Fischerdorf zu sehen. Die Slawen lebten in der Regel vom Fischfang und trieben nur wenig Ackerbau.  Es wurden aber bisher noch keine spätslawischen Siedlungsspuren gefunden.

Da für Tegel schon früh vier Pfarrhufen nachgewiesen sind, liegt der Schluss nahe, dass Tegel bald nach Beendigung des Brandenburger Zehntstreits 1237 gegründet wurde, denn der Markgraf hatte sich verpflichtet, alle Dörfer mit vier abgabefreien Hufen zugunsten der örtlichen Kirche und ihres Pfarrers auszustatten. Das platzartige Sackgassendorf Tegel wird urkundlich erstmals 1322 als Kirchdorf Tygel erwähnt, anlässlich der Vereinigung der Pfarren von Tegel und Dalldorf, wobei letztere zur Mutterkirche von Tegel wurde. Es ist anzunehmen, dass das Dorf möglichst bald nach 1240 eine eigene Kirche aus Holz bekam, und zwar auf der platzartigen Erweiterung des Ortes. Über ihr Aussehen ist nichts bekannt. Erhalten ist eine Urkunde aus dem Jahre 1361 über den Verkauf des Dorfes Tegel an das Spandauer Benediktinerinnenkloster. Im Jahr 1361 wird auch eine Wasser-Mühle in Tegel erwähnt.

Nördlich des Dorfes Tegel entstand wohl um 1480, auf einem abgetrennten Teil der bis an das Tegeler Fließ reichenden Heiligenseer Feldmark, das Gut Tegel (später Tegel-Schloss). Die nach den Nonnen des Spandauer Klosters benannte Jungfernheide im Süden Tegels und die Waldgebiete nördlich und westlich des Ortes bildeten ebenfalls zwei Gutsbezirke mit der Bezeichnung „Jungfernheide“ bzw. „Tegel-Forst Nord“.

Nach Auflösung des Spandauer Klosters im Zuge der Reformation, kam Tegel 1558 in den Besitz des Kurfürsten von Brandenburg. Friedrich Wilhelm ließ 1737 das Schloss Tegel bauen.

Der Dalldorfer Pfarrer Schlüter schrieb 1714 über seine Filialkirche Tegel: „Die Kirche ist sehr gering, klein und von Holz erbaut mit schlechter Lehmwand.“ Es ist unklar, ob es sich dabei noch um den mittelalterlichen Bau handelte. 1724 ließ Friedrich Wilhelm I. Baumaterialien für den Bau einer Fachwerkkirche zur Verfügung stellen. Diese wurde aber schon 1756 durch einen soliden Steinbau ersetzt. Diese Saalkirche wurde zwar 1871/1872 vollständig umgebaut, aber schon bald darauf 1911 zugunsten einer städtisch wirkenden Kirche ersetzt

Von 1850 bis 1920 war der Ort eine selbstständige Landgemeinde und gehörte zum Kreis Niederbarnim im Regierungsbezirk Potsdam der preußischen Provinz Brandenburg.

Seit 1893 besitzt Tegel einen Bahnhof, den heutigen S-Bahnhof Tegel an der Kremmener Bahn. Am Tegeler Fließ wurde 1895 durch Gustav Lilienthal die gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Freie Scholle gegründet.

Ursprünglich existierte die Greenwichpromenade noch nicht, und das Wasser des Sees reichte bis an die Bauerngrundstücke. Ein 20 Meter breiter Uferstreifen war schon vor der Jahrhundertwende als kurzer Weg befestigt worden und bildete den Anfang der Strandpromenade. Die erste Erweiterung erfolgte 1909.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert erfuhr Tegel als Erholungsgebiet der Stadt Berlin einen enormen Aufschwung – unter anderem erfolgten Schiffsausflüge von hier, wozu der Hafen angelegt bzw. ausgebaut wurde und die Tegeler Hafenbrücke gebaut wurde.

Mit Eingemeindung in Groß-Berlin im Jahr 1920 sollte der später nach „Alt-Reinickendorf“ benannte nördlichste Berliner Bezirk zunächst den Namen des damals größten Dorfes im Norden Berlins „Bezirk Tegel“ erhalten. Die Entscheidung fiel jedoch zugunsten von „Bezirk Reinickendorf“.

Tegeler Insel

 

Tegeler Insel

Die Tegeler Insel ist eine 170 Meter lange und 60 Meter breite, künstlich angelegte Insel im Tegeler Hafenbecken. 20 Jahre lang wurden verschiedene Nutzungen der Insel ins Auge gefasst. Der Nutzungsplan zur Internationalen Bauausstellung 1984 sah unter anderem eine Bebauung mit Freizeitbad, Seniorenresidenz und chinesischem Wellness-Center vor.  Die im Jahr 2008 veröffentlichte Planung sah elf Luxusvillen mit jeweils 500 Quadratmeter Fläche vor. Das 40 Millionen Euro teure Bauvorhaben eines Investors mit Sitz in Moskau wurde jedoch noch im gleichen Winter wegen der globalen Finanzkrise abgebrochen. Im Mai 2013 startete die GBI Wohnungsbau auf Basis der geleisteten Vorarbeiten ein neues Projekt zum Bau von sieben Stadtvillen mit 49 Eigentumswohnungen.

Die Insel ist durch drei Fußgängerbrücken mit dem Festland verbunden. Vor der Bebauung wurden hier Hunde ausgeführt, was der Insel den Beinamen „Hundeinsel“ verschaffte.

Die Tegeler Insel ist auf einigen Karten fälschlich als Humboldtinsel verzeichnet. Dieser Name bezeichnet dagegen die schmale, längliche Insel zwischen Tegeler Hafen und Tegeler Fließ, die nur 50 Meter nördlich der Tegeler Insel liegt.

Bibliothek Tegel

 

Humboldt-Bibliothek

Eigentlich sollte im ehemaligen Hafenbecken am Tegeler See ein großzügiges Freizeitbad entstehen. Der Entwurf der Humboldt-Bibliothek war in der Planung für die Internationale Bauausstellung 1984 Teil eines größeren Kulturzentrums. Die 1986 begonnenen Bibliotheksbauarbeiten gingen einher mit der Gestaltung eines großen Wasserbereichs, einer Uferpromenade sowie von 350 Wohneinheiten. Von dem geplanten Kulturzentrum wurde jedoch allein die Humboldt-Bibliothek realisiert.

Doch auch dieses Vorhaben erwies sich als schwierig, da bereits die Faulschlammschichten im Baugrund bei der Kostenplanung nicht berücksichtigt waren. Der Bau musste auf Bohrpfählen errichtet werden, was die Kosten deutlich erhöhte. Dafür wurden zusätzliche Mittel freigesetzt, jedoch der Bau auch in der Länge gekürzt. Die Bibliothek wurde als ein mit besonderen architektonischen Elementen ausgestatteter, von einem mit Holzpaneel versehenen Tonnengewölbe überdachter rechteckiger Längsbau mit einer Hauptnutzungsfläche von 2820 Quadratmetern errichtet.

Charles Moore, Architekt und Vorreiter der postmodernen Architektur wurde für den Bau aus einer Mischung von Stilelementen des Industriebaus, des Sakralbaus sowie des Repräsentationsbaus mit dem Preis der amerikanischen Bibliotheksvereinigung (ALA) ausgezeichnet. In Würdigung Alexanders und Wilhelms von Humboldt, die ihre Kindheit im nicht weit entfernten Familienschloss verlebten, erhielt die Bibliothek den Namen „Humboldt-Bibliothek“. Das vor der Bibliothek aufgestellte Denkmal des Künstlers Detlef Kraft aus dem Jahr 1997 stellt die Brüder dar.

Die Humboldt-Bibliothek hält etwa 130.000 Medien in gut einem Dutzend unterschiedlicher Sparten für die Publikumsnutzung vor. Mehr als 800 Besucher täglich und rund 800.000 Entleihungen jährlich zeugen von einer intensiven Nutzung dieses Angebots.

Die Westseite des Gebäudes beherrscht ein großes Fenster, das den Blick auf das Hafenbecken, die Sechserbrücke und den Tegeler See freigibt. Das Innere der Bibliothek ist durch seine offenen Flächen und das ansprechende Ambiente ein geeigneter und gern gewählter Ort unter anderem für Lesungen und Preisverleihungen aber auch Vorträge, Kunstausstellungen und Konzerte.

In Kooperation mit der Volkshochschule Reinickendorf veranstaltet die Humboldt-Bibliothek in ihrem Konferenzraum Kurse zur Schulung von Autoren und trägt damit selbst zur Förderung von literarischem Nachwuchs bei.

Mühle Tegel

 

Humboldtmühle

Die südöstlich vom Schloss Tegel, direkt an der Mündung des Fließes gelegene Mühle wurde erstmalig 1361 urkundlich erwähnt, entstand aber wohl schon im 13. Jahrhundert. Sie bezog das für ihr Wasserrad benötigte Antriebswasser aus dem aufgestauten Tegeler Fließ. 1375 stammte fast die Hälfte des Tegeler Steueraufkommens von der Mühle.

Der Name Humboldtmühle lässt vermuten, dass auch die Humboldts die Mühle einmal besaßen. Tatsächlich kaufte 1776 der Vater der Brüder Alexander und Wilhelm von Humboldt das Gebäude. Es blieb 34 Jahre lang im Familienbesitz. Der Besitz einer Mühle war bis zum Ende des Mühlenzwangs 1810 ein lohnendes Geschäft.

Die Tegeler Mühle war tatsächlich bis dahin eine der größten der elf Wassermühlen des Niederbarnim. 1834 brannten die Gebäude ab und wurden von Besitzer Treskow an gleicher Stelle wiederaufgebaut. Eine neue wirtschaftliche Grundlage erhielt die Mühle nach dem Kauf durch den Mühlenmeister Johann Gottfried Thießen und seinen Teilhaber Karl Friedrich Henning 1847. Unromantisch ohne Wasserrad, dafür qualmend mit Dampfkraft wurde ab 1848 maschinell gemahlen. Ab 1851, mit der Vertiefung des Fließes, konnte die Mühle per Schiff vom Tegeler See aus angefahren werden.

Die Unternehmer Cohn & Rosenberg ließen 1887 die Anlage unter dem Namen “Humboldt-Mühle” zu einer leistungsstarken Großmühle ausbauen. 1897 erweiterte der neue Besitzer die Kapazität durch den Bau eines dreistöckigen Mühlenhauses. Ein Großbrand zerstörte 1912 viele der Gebäude, sodass 1913 das noch heute erhaltene Mühlengebäude über dem Tegeler Fließ entlang der Schlossstraße (heute: An der Mühle) erbaut wurde. Zum Güterbahnhof Tegel bestand jetzt ein Gleisanschluss, der 1978/1980 aufgegeben werden musste. Die Victoria-Mühlenwerke beteiligten sich ab 1924 an der Humboldtmühlen-AG und gliederten sie 1930 in ihr Unternehmen ein. Der heute noch weithin sichtbare Getreidespeicher wurde 1940 neu erbaut, nachdem der alte 1937 abgebrannt war. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Mühle ohne Beeinträchtigung. Nach dem Krieg bekam sie eine wichtige Funktion zur Versorgung der Bevölkerung von West-Berlin. Durch Mehrschichtbetrieb konnte die Tagesleistung auf 360 Tonnen verdoppelt werden, auch die Belegschaft vergrößerte sich auf 105 Beschäftigte, wurde aber durch Rationalisierung bis in die 1960er Jahre auf 60 verringert. 1964 galt die Humboldt-Mühle, drei Jahre zuvor mit Elektromotor ausgestattet, als leistungsstärkste Mühle Westberlins. 1988 wurde der Betrieb der Mühle eingestellt. Dabei war gerade erst ein Jahr zuvor, 1987, ein neuer Stichkanal zur Tegeler Humboldtmühle fertig geworden, der für Schiffe bis 1.000 Tonnen befahrbar war.

Der Umbau für eine zeitgemäße Nutzung, unter Bewahrung der historischen Bausubstanz, wurde in den Jahren 1989-92 erfolgreich realisiert. Das 1848 errichtete „Beamten-Wohnhaus“ war eine Villa für die damaligen Direktoren und ist heute das älteste Haus auf dem Gelände. Das markante Mühlengebäude aus roten Ziegelsteinen in der Straße „An der Mühle“ wurde 1913 fertig. Die Gebäude und der Getreidespeicher wurden restauriert und auf eindrucksvolle Weise mit neuer Architektur ergänzt.

Seit Februar 2009 befindet sich in den Gebäuden am Tegeler Fließ die Medical Park Berlin Humboldtmühle. Sie gehört zur Unternehmensgruppe Medical Park, die vom Bauherrn und Investor der Humboldtmühle, Ernst Freiberger, betrieben wird. Die Medical Park Humboldtmühle ist eine Fachklinik für Neurologie, Orthopädie und Innere Medizin/Kardiologie, außerdem ein Schlaganfallzentrum mit acht Intensivbetten.

Grünes Haus

 

Das grüne Haus

1845 verbanden sich mehrere christlich gesinnte Männer in der Absicht, verlassene Kinder »aus ihren unseligen Verhältnissen, in welchen sie bei längerem Verweilen sittlich verderben würden, herauszunehmen und durch christliche Erziehung zu nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft heranzubilden«. Zwei Jahre später wurde eine Anstalt gegründet.

In der Neuen Hochstraße im Wedding konnte ein Haus genutzt werden, das der Verein mit Hilfe königlicher Unterstützung erworben hatte. Wohl aus diesem Grund trug es bis 1856 die Bezeichnung »Königshaus«. Wegen seines Anstriches (nach anderer Quelle wegen Rankpflanzen am Haus) erhielt das Gebäude dann ab 1857 den Namen »Grünes Haus«, während sich der Verein den Namen »Erziehungsverein für verlassene Kinder im Grünen Hause zu Berlin« zulegte.

Im Jahre 1888 beschloss der Vorstand den Verkauf des Grundstückes und die Verlegung der Anstalt. Im Spätherbst 1890 konnte in der Müllerstraße 52 ein Grundstück gekauft und die Einrichtung hier bedeutend vergrößert werden. Der Name »Grünes Haus« blieb unverändert erhalten.

Der Verein erwarb dann im Jahre 1914 von der Gemeinde Tegel am Hermsdorfer Weg (heute Ziekowstraße / Ecke Wilhelm-Blume-Allee) ein Grundstück, auf dem eine Erziehungsanstalt errichtet wurde. Die Unterhaltskosten trug die Stadt Berlin. Auch die Gemeinden beteiligten sich hieran, soweit sie Kinder im »Grünen Haus« unterbrachten. Im November 1921 beherbergte das Haus 135 Zöglinge im Alter von 6 bis 12 Jahren. Die Kinder wurden in Gruppen von maximal 8 Personen aufgeteilt, hatten als Leiter einen Lehrer, Erziehungsgehilfen oder eine Kindergärtnerin und erhielten Schulunterricht in vier aufsteigenden Klassen. Nach vollendetem 14. Lebensjahr wurden die Zöglinge entlassen und einem Beruf zugeführt.

1943, das Haus befand sich zwischenzeitlich im Eigentum der Stadt Berlin, brannte das Gebäude nach einem Luftangriff nieder. Der 1947 wieder gegründete Verein der Freunde des »Grünen Hauses« erreichte einen Wiederaufbau der Einrichtung. An die alten Erziehungsstrukturen wurde angeknüpft, zusätzlich entstanden Ausbildungsmöglichkeiten für Schuhmacher, Tischler, Schlosser und Gärtner.

Anfang der 1960er-Jahre wurde das Heim in seiner bisherigen Form aufgelöst. Eine von einem Arzt geleitete Beobachtungsabteilung für psychisch kranke Jugendliche im Alter von 12 bis 21 Jahren wurde durch das Landesjugendamt eingerichtet. Bis 1969 führte das »Grüne Haus« noch seinen althergebrachten Namen. Als Jugendhilfsstelle (damit Nebenstelle des Hauptpflegeheimes) diente das Haus von 1974 bis 1981.

Eine umfangreiche Renovierung war erforderlich, als das Haus 1981 vom Berliner Jugendclub e. V. übernommen wurde. Seit 1982 wurde es als Jugendgästehaus genutzt. Schulklassen, Sportvereine und Fortbildungsgruppen bis zu einem Alter von 27 Jahren nutzten die Unterkunftsmöglichkeit mit 150 Betten. In den Jahren 2011 bis 2014 wurde das Haus umfangreich saniert und umgebaut. Heute wird es vom Humboldt-Gymnasium genutzt.