Tegel

Humboldtschloß 3

 

Humboldtschloss (Schloss Tegel)

Ein verstecktes Kleinod im Nordwesten Berlins ist das Schloss Tegel und der dazugehörige Park mit der Grabstätte der Familie von Humboldt.

Den Ursprung bildete ein Weingut zur Versorgung der kurfürstlichen Hofhaltung, das nach 1558 von Kurfürst Joachim II. nördlich der mittelalterlichen Wassermühle von Tegel errichtet wurde. Erster Besitzer war der kurfürstliche Geheime Sekretarius Hans Bredtschneider, der auch Bürgermeister von Cölln an der Spree wurde.

Wie an vielen Orten in Brandenburg und der Umgebung Berlins scheiterte in der friderizianischen Zeit auch auf dem ehemaligen Gut Tegel die Anlage einer Maulbeerplantage. Ursprünglich waren hier 10.000 Bäume vorgesehen, aber durch den ausbleibenden Ertrag stieg man wieder schnell auf die klassische Land- und Forstwirtschaft sowie den Gartenbau um.

Nach mehreren Besitzerwechseln kam das Gut gegen Ende des 17. Jahrhunderts wieder in kurfürstlichen Besitz. Zur Repräsentation seiner Landesmacht ließ der Kurfürst Friedrich Wilhelm das Landhaus zu einem Jagdschloss, den Vorgängerbau des heutigen Schlosses, umgestalten.

Das Ehepaar Marie Elisabeth und Alexander Georg von Humboldt bestimmten dann als neue Besitzer ab 1766 die landschaftsverschönernden Maßnahmen auf dem Gut und an dem kleinen Schlösschen. Wilhelm von Humboldt, der Philosoph, Sprachforscher und Begründer der Berliner Universität, und sein Bruder, der Naturforscher Alexander von Humboldt, verbrachten hier ihre Kindheit. Bei seiner Berlin-Reise 1778 besuchte Goethe auch Schloss Tegel. Die Sage vom Spuk im Schloss Tegel findet sich im „Faust“ wieder.

1802 wird Wilhelm von Humboldt durch eine Erbteilung mit seinem Bruder der alleinige Eigentümer von Tegel. Nach seiner Entlassung aus dem Staatsdienst 1819 zog sich Wilhelm von Humboldt in sein Elternhaus zurück und lässt zuerst den Park umgestalten. Von 1822 bis 1824 erfolgt dann ein von Schinkel und dem Bildhauer Rauch vorgenommener Umbau des Herrenhauses. Es entstand das „Humboldtschlösschen“, das heute ein Paradebeispiel für Schinkels Klassizismus ist. Im Schlosspark befindet sich auch die 1829 von Schinkel gestaltete Grabstätte für Caroline von Humboldt, die Ehefrau von Wilhelm von Humboldt. Wilhelm ließ ihr keinen Grabstein, sondern ein Denkmal mit einer von Bertel Thorwaldsen in Marmor geschaffenen römischen Göttin Spes auf einer hohen Granitsäule errichten. Das von Caroline seit ihren römischen Tagen geliebte Kunstwerk erwarb Wilhelm nach ihrem Tod. Auch Wilhelm und Alexander von Humboldt ließen sich hier beerdigen, ebenso die Nachfahren Carolines und Wilhelms von Humboldt bis heute.

Das seit 1983 unter Denkmalschutz stehende Areal wird heute von einem direkten Nachkommen Humboldts – in sechster Generation – und seiner Familie bewohnt und dürfte eines der einzigen Herrenhäuser in Berlin-Brandenburg sein, das sich noch im Besitz der direkten Nachfahren befindet.

Das private Humboldt-Museum im Gebäude ist im Sommerhalbjahr montags während der Führungen zugänglich.

Alter Fritz 2

 

Der alte Fritz

Die historische Gaststätte „Alter Fritz“, ist die älteste noch bestehende Gastwirtschaft der Stadt. Bereits im Jahre 1410 ist sie urkundlich als „Neuer Krug“ erwähnt. Es war damals eine Gaststätte mit Pferdewechsel-Station. Der älteste Teil ist das Kernstück des heutigen Hauses. Im heutigen Kaminzimmer wurden früher Vorräte gehalten und sicherlich auch das Kleinvieh.

Viele berühmte Gäste kehrten in den „Neuen Krug“ ein. Zu den prominenten Gästen gehörten die Gebrüder Humboldt, die im nahe gelegenen Schloss Humboldt zu Hause waren, sowie der Dichter Geheimrat Wolfgang von Goethe.

Besonders beliebt war das Schlossrestaurant bei dem Kronprinzen Friedrich von Preußen (später als König Friedrich II. „Alter Fritz“ genannt), der hier – unerlaubterweise – auf dem Weg nach Rheinsberg sein Bier beim Pferdewechsel trank. Zu seinen Ehren um ca. 1900 wurde die Gaststätte in „Alter Fritz“ umbenannt.

Der zweigeschossige Teil mit dem anschließenden Saal wurde im Jahr 1850 angebaut. Hier gab man dem dringenden Bedürfnis nach großen Festlichkeiten nach. Durch diese Erweiterung entstand der sehr schöne Innenhof, den eine über 100 Jahre alte Linde ziert.

Im Jahr 1979 fand ein originalgetreuer Wiederaufbau statt. 1992 wurde eine Brauerei eingebaut, die nach 16 Jahren jedoch wieder ausgebaut wurde und samt Mobiliar nach Österreich ging. Der neue „Alte Fritz“ wurde nach der Sanierung der Bausubstanz im April 2014, Einbau moderner Gastronomietechnik, sowie komplett neuer rustikaler Einrichtung konzeptionell neu ausgerichtet.

 

Alte Waldschänke

Um 1650 stand an der Stelle wo sich heute die Waldschänke befindet, gegenüber dem „Alten Fritz“ ein Wohnhaus für Arbeiter, die im Schloss Tegel beschäftigt waren. 1760 entstand dort das Fachwerkhaus, dass später als Gasthaus „Waldschänke“ genutzt wurde. Die Alte Waldschänke wird als eines der ältesten historischen Gasthäuser Berlins bezeichnet. Sie gehört genauso wie die wesentlich ältere Gaststätte auf der anderen Straßenseite ursprünglich zum Schlossensemble in Tegel. Als Raststelle an der Straße nach Oranienburg oder Neuruppin bot das Gasthaus preiswerte Hausmannskost an und war auch als Kutschkneipe bekannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg, von dem die Alte Waldschänke verschont blieb, wurde das gastronomische Angebot an ein gehobeneres Publikum ausgerichtet; so entwickelte sich das Wirtshaus bis in die 1980er Jahre hinein zu einem exklusiven Ausflugslokal. 1964 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Das Gebäude wurde 1996 von einer Gesellschaft erworben, vollständig saniert und um eine Appartementanlage erweitert. Bis 2009 bot der „Gasthof Waldschänke“ rund 120 Gästen Platz und verfügte über einen als Biergarten bezeichneten Außenbereich für weitere rund 250 Gäste. Er wurde ab Januar 2009 aufgrund eines Insolvenzverfahrens geschlossen.

Seit 2011 serviert der Gastronomiebetrieb „Wiesenstein“ dort wieder schwäbische Küche. Im Sommer ist der Biergarten hinter dem Haus Anlaufstelle für Ausflügler.

Ehrenpfortenberg

 

Ehrenpfortenberg

Der Königsweg ist eine Straße im Berliner Ortsteil Tegel zwischen Bernstorffstraße und Buddestraße. Auf der 1908 gewidmeten Straße soll König Friedrich II. von Preußen „Der Alte Fritz“ anlässlich seiner Krönung im Jahr 1740 zum Adlerberg bei Schulzendorf (heute Ehrenpfortenberg) gegangen sein. Wie der Name des Berges entstand, lässt sich aus heutiger Sicht nicht mehr eindeutig sagen. Eine Variante sagt aus, dass die Kurfürsten durch die Ehrenpforte in den Hermsdorfer Wald (heutiger Tegeler Forst) ritten eine andere darauf, dass auf dem Berg ein torförmiger Holzbau stand, der Ende des 17. Jahrhunderts als Ehrenpforte für den Trauerzug anlässlich des Todes des Großen Kurfürsten gedient haben soll.

Der Königsweg beginnt an der Bernstorffstraße und führt bis zur Buddestraße. Über den Waidmannsluster Damm hinaus führt ein (unbenannter) Fußweg bis zum Tegeler Fließ in der Trasse des historischen Königswegs. Durch den Bau der A 111 in den 1980er Jahren verlor sich der weitere Verlauf im Tegeler Forst am Forstamt vorbei. Nach dem Berliner Adressbuch war er noch 1925 unbebaut.

In 69 Metern Höhe, auf der höchsten natürlichen Erhebung des Bezirks Reinickendorf zierte acht Jahre lang bis ins Frühjahr 2021 ein Gipfelkreuz den Berg.

Höchster Baum Berlins 2

 

Höchster Baum Berlins

1795 pflanzte der Botaniker, Forstwissenschaftler und königlich-preußischer Oberforstmeister der Kurmark Brandenburg Friedrich August Ludwig von Burgsdorf (1747–1802) die europäische Lärche im südlichen Teil des Tegeler Forstes, die einmal der höchste Baum Berlins werden sollte. Nach 226 Jahren (2021) ist die, nach dem Forstmeister benannte, Burgsdorf-Lärche rund 45 Meter hoch und mit einem Umfang von fast 3 Metern auch eine der dicksten Lärchen Deutschlands. Seit 1930 wächst der Baum fast ausschließlich in die Breite statt in die Höhe. In 2012 wurde der Nadelbaum, der als einziger seinen schmalen Blattschmuck im Herbst verliert, zum Baum des Jahres ernannt. Im Berliner Bestand macht die europäische Lärche nur 1 Prozent der Waldbäume aus.

In guter Nachbarschaft (etwa 2.000 Meter Abstand) mit der „Dicken Marie“, Berlins wohl ältestem Baum, geben sich hier erneut zwei Superlativen in Reinickendorf ein Stelldichein.

Tegel Strandbad

 

Strandbad Tegelsee

Die Landgemeinde Tegel richtete um 1920, kurz vor ihrem Aufgehen in Groß-Berlin ein Freibad auf dem Forstpachtgelände an der Scharfenberger Enge des Tegeler Sees ein. Um 1932 eröffnete die Stadt Berlin hier nach Aufschüttung des Sandstrandes das von dem Pächter Paul Willmer betriebene Strandbad Tegel neu. Das Strandbad liegt am Westufer des Tegeler Sees im Tegeler Forst, gegenüber der Insel Lindwerder und zwischen der Halbinsel Reiherwerder im Norden und Tegelort im Süden. Das Wasserschutzgebiet mit seinem Artenreichtum und altem Baumbestand ist ein Schatz der Natur, das diesen Standort einzigartig macht.

Im Lauf der Jahre wurden Rutschen, eine Bade-Insel und ein Sprungturm mit Ein- und Drei-Meter-Plattformen errichtet. An Land lockten die Betreiber mit einem Beachvolleyballplatz, Tischtennisplatten und einen Spielplatz mit Wippe und Klettergerüst, Strandkörbe, kalte Duschen, Toiletten, Imbiss und Restaurant.

Seit 1996 wird das Bad von den Berliner Bäderbetrieben verwaltet. Einige Pächter konnten neben den Betriebs- und Instandhaltungskosten die notwendigen Sanierungsinvestitionen nicht aufbringen bzw. gerieten darüber mit den Bäderbetrieben in Rechtsstreit. Nach einigen Sondergenehmigungen wurde das Bad in 2016 geschlossen.

Vier Jahr nach dem Erlöschen der Betriebsgenehmigung für das Bad, wurde mit dem Neue Nachbarschaft/ Moabit e.V. ein neuer Betreiber gefunden, dem ein Erbbaurecht über 40 Jahre zugesichert wurde. Neben dem Badebetrieb will der Betreiber hier ein Zentrum für Erholung und Kultur einrichten.

Das Betriebskonzept wurde grundlegend verändert, Gemeinnützigkeit, Jugendarbeit, Erholung und Kultur stehen nun im Vordergrund.

Tegel Wildgehege

 

Wildgehege Tegeler See

Der Tegeler Forst ist wohl der ökologisch interessanteste und vielfältigste Wald in Berlin. Inmitten des dichten Waldgebietes rund um den Tegeler See finden sich uralte Baumbestände, unberührte Lichtungen, Bademöglichkeiten, Tiergehege und Spielmöglichkeiten – ideal für Erholung und Bewegung an frischer Luft. Mehrere Rundwege bieten hier spannende Naturerlebnisse. Eines davon findet man im südlichen Teil des Tegeler Forst, ganz in der Nähe der Revierförsterei. Am Ende des Schwarzen Wegs, hinter einer Wildwiese verläuft ein Weg in einem langgezogenen Bogen durch zwei Wildgehege, eines mit Schwarzwild (Wildschweinen), ein weiteres mit Rot- und Damwild. Futterspender ermöglichen den Besuchern gegen ein kleines Entgelt sogar die Fütterung. Auf dem Weg findet man zudem einige Informationstafeln über Bienen und Honig.

Gleich in der Nähe findet man die Badestelle Reiherwerder mit Sicht auf die Villa Borsig.

Mindestens einmal im Jahr, im Spätsommer laden die Revierförsterei und die Kirchengemeinden der sogenannten „Insel-Region“ zu einem Waldgottesdienst ein. Mitten im Wald mit hölzernem Kreuz und Altar werden hier auch die neuen Schulanfänger unter freiem Himmel und im Zeichen der Natur begrüßt.

Tegel Villa Borsig

 

Villa Borsig

Von den Nachfahren der von Humboldts erwerben die Brüder Conrad und Ernst im Jahr 1898 am Tegeler See die damals noch durch Sumpfland getrennten zwei Flussinseln, Kleiner und Großer Reiherwerder. Das sumpfige Gebiet zwischen den Inseln lassen sie mit Schlacke aus der Fabrik aufschütten und trockenlegen. Aus den beiden Inseln entsteht die Halbinsel Reiherwerder, die durch den Bau des Schwarzen Weges mit dem Festland verbunden wird.

1905 tritt Conrad Borsig seinen Anteil an der Halbinsel Reiherwerder an seinen Bruder Ernst ab, der im Bereich des Kleinen Reiherwerder im Jahr 1906 mit dem Bau eines einfachen Landhauses, der kleinen Villa und des Maschinenhauses beginnt 1907 folgt der Bau des Pförtner- und Wirtschaftshauses, des Boots- und Badehauses, eines Treibhauses sowie der Pferdeställe und Garagen. Nachdem die Baumaßnahmen im Jahr 1908 abgeschlossen sind, beziehen Ernst Borsig, seine Ehefrau Margarete und die vier Kinder die Kleine Villa, die aber schon bald nicht mehr den Ansprüchen genügt. So beginnt Ernst Borsig bereits im selben Jahr mit der Planung für die große Villa und beauftragt die Architekten Alfred Salinger und Eugen Schmohl mit dem Entwurf einer neuen repräsentativeren Villa auf dem Großen Reiherwerder, die dem Schloss Sanssouci ähneln soll. Die äußerst repräsentative Dreiflügelanlage mit Mittelpavillon und geschwungenen Laubengängen auf der Gartenseite ist zwischen 1911 und 1913 ausgeführt worden und verweist auf Potsdam-Sanssouci und den Adelsstand, in den die Borsigs 1909 durch Kaiser Wilhelm II. erhoben wurden.

Nachdem die Baumaßnahmen der Großen Villa abgeschlossen sind, wird das ehemalige Sumpfland nach Anweisung des Garten- und Naturliebhabers Ernst von Borsig zu einem Landschaftspark umgestaltet – ein Entwicklungsprozess, der rund 30 Jahre dauert. In unmittelbarer Nähe des Hauses entsteht eine an barocken Gärten orientierte Anlage mit Parterre und verschiedenen, geometrisch gefassten Kompartimenten wie der Zufahrt, dem Rosarium und der Gärtnerei. Der zum See führende Teil der Halbinsel geht in einen Landschaftspark über, der, von der Terrasse aus betrachtet, als Auenwiese bis zum Ufer reicht. Reiherwerder ist heute Teil des Landschaftsschutzgebiets Tegeler Forst und wird kontinuierlich und nachhaltig gepflegt.

Nach dem Tod Ernst von Borsigs wurde das Anwesen 1937 an das Reichsfinanzministerium verkauft, das darin bis 1945 die Reichsfinanzakademie unterbrachte. Nach Kriegsende wurde die Villa von 1946 bis 1951 zur Residenz des Oberkommandierenden der französischen Truppen in Deutschland und Sitz des Hohen Kommissars André François-Poncet. Danach diente das repräsentative Landhaus vorübergehend auch als Gästehaus der Stadt Berlin und der Bundesrepublik Deutschland. Ab 1959 wurde es Sitz der Deutschen Stiftung für Internationale Entwicklung.

Von Mitte 2003 bis Ende 2005 wird die Villa Borsig denkmalgerecht saniert und als Gästehaus des Bundesministers des Auswärtigen hergerichtet. Gleichzeitig werden für die Akademie Auswärtiger Dienst die übrigen Altbauten wie das Maschinenhaus, das Pförtnerhaus, Pferdeställe und Garagen saniert sowie moderne Seminar- und Unterkunftshäuser hinzugefügt.

Anfang 2006 erfolgt der Umzug der Akademie von Bonn-Ippendorf auf den Reiherwerder.

Dicke Marie 1

 

Dicke Marie

Die Dicke Marie steht am Ufer des Tegeler Sees und ist vermutlich der älteste Baum der Stadt. Am 9. Juli 2021 wurde sie als siebter Baum und als erster Waldbaum zum Nationalerbe-Baum erklärt. Ihr Alter variiert je nach Quelle zwischen 350 und 900 Jahren.

Die Stieleiche soll im Jahr 1107 an der Großen Malche, einer Bucht, die den nördlichen Ausläufer des Tegeler Sees bildet, nahe dem Schloss Tegel gekeimt sein. Den Namen erhielt der Baum von den Brüdern Alexander und Wilhelm von Humboldt, die ihre Jugendjahre im Schloss Tegel verbrachten, in Anspielung auf die wohlbeleibte Köchin des Schlosses. Auch Johann Wolfgang von Goethe besuchte 1778 bei seinen Reisen den Baum und verweilte in seinem Schatten.

Gegenwärtig weist der Baum laut einer metallenen Infotafel in der neu errichteten Abgrenzung zum Gehweg eine maximale Höhe von ca. 18,5 Meter bei einem angegebenen Umfang von 598 cm und einen Durchmesser in Brusthöhe von rund 190 cm auf, und wird als geschätzt 800-jährig angegeben. Wenn die Annahme der Keimung um 1107 stimmen sollte, wäre der Baum älter als die Stadt Berlin, die erstmals urkundlich 1237 erwähnt wurde.

Aktuellen dendrologischen Einschätzungen zufolge existieren zwar wenige Eichen in Deutschland, die älter als 800 Jahre sind, welche aber alle mindestens acht Meter Umfang aufweisen, sodass die Maße des Umfanges und des Durchmessers der Dicken Marie eher für ein Alter des Baumes zwischen 350 und 400 Jahren sprechen. Auch ihr sehr flaches, helles Rindenbild spricht für ein noch relativ junges Alter – die Borke älterer Eichen ist im Gegensatz sehr dunkel und tief zerfurcht, was bei der Dicken Marie nicht der Fall ist. Eine wirklich genaue Bestimmung durch eine Kernbohrung ist jedoch noch nicht erfolgt und wohl auch nicht mehr möglich, da das Stamminnere stark rotfaul ist- also im Kernholz keine Jahresringe mehr erkennen lassen dürfte.

Auch mit einem (wahrscheinlicheren) Alter von 350 bis 400 Jahren und damit einhergehend einer Keimung zwischen 1617 und 1667 ist der Baum dennoch von respektablem Alter und als einer der ältesten Bäume des heutigen Berlins zu sehen.

Hafenbrücke Tegel (Sechserbrücke)

 

Sechserbrücke

Die Tegeler Hafenbrücke, im Volksmund „Sechserbrücke“ genannt, überspannt als Fußgängerbrücke die Einfahrt des Tegeler Hafens und die Mündung des Tegeler Fließes.

Wenn man in Berlin im 19. Jahrhundert schon knapp bei Kasse war – zumindest einen oder mehrere Sechser musste man schon in der Tasche haben, wollte man überhaupt durch die Stadt kommen. Einige wichtige Brücken der Innenstadt waren nämlich mautpflichtig. Die Gebühr betrug einheitlich einen Sechser, damals die Hälfte eines Groschens. So kam im Volksmund der Begriff Sechserbrücke auf, nicht als Einzelname, sondern als nichtamtliche Benennung einer Gattung von Flussübergängen. Soweit bekannt, waren mindestens vier namhafte Berliner Brücken von der Mautpflicht betroffen.

Die letzte Sechser-Brücke von Berlin und Umgebung befindet sich in Tegel. Das Besondere: Sie gehört nicht nur zu dieser Brückengattung; sie heißt auch so bis heute.

Am nördlichen Ufer des Tegeler Sees entwickelte sich am Ende des 19. Jahrhunderts ein reger Ausflugsverkehr: Die Leute schlenderten über die Uferstraße (die heutige Greenwichpromenade) um den Großen Malchsee herum bis zum Freibad Tegelersee. Dazu mussten sie allerdings das Tegeler Fließ überqueren. Der ansässige Fischer Siebert verdiente sich mit dem Übersetzen der Wanderer über das Fließ mit seinem Kahn für fünf Pfennig (einen sogenannten „Sechser“) ein Zubrot.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert wuchs der Ausflugsverkehr weiter an und immer mehr Berliner wollten zum Großen Malchsee, an dem sich inzwischen zahlreiche Ausflugslokale etabliert hatten, so zum Beispiel das Klippsteinsche Sommeretablissement und der Kaiserpavillon. Mit seinem Kahn konnte der Fischer das erhöhte Aufkommen nicht mehr bewältigen und so baute er eine kleine Holzbrücke über das Fließ und verlangte von jedem, der sie überqueren wollte, weiterhin fünf Pfennige.

Die Besitzerin von Schloss Tegel Constanze von Heinz hatte ab etwa 1870 begonnen, Gelände im Schlossbezirk zu parzellieren und für den Bau von Villen oder selbsterrichtete Villen zu verkaufen. Nach der Jahrhundertwende ließ sie den großen und auf zahlungskräftige Kundschaft abzielenden Kaiserpavillon und das ebenfalls umfangreiche und mondäne „Kurhaus“ bauen. Für Fußgänger war der zweite Zugang zum Schlossbezirk (neben der Schlossstraße) wichtig. Die Gemeinde Tegel und Frau von Heinz beteiligten sich daher zu gleichen Teilen an der Finanzierung und Unterhaltung einer neuen Brücke.

Sieberts hölzerne Brücke wurde darauf 1909 durch den heutigen 91 Meter langen stählernen Übergang ersetzt, erst 1921 folgte der südliche Torbau mit zwei Kassenhäuschen. Die neuen Betreiber der Brücke hielten am „Sechser“ als Brückenzoll fest und das Publikum am Namen „Sechserbrücke“. Da Tegel erst 1920 nach Berlin (Groß-Berlin) eingemeindet wurde, gehörte die Tegeler Sechserbrücke nicht zu den vier klassischen Berliner Sechserbrücken. An Sonn- und Feiertagen benutzten bis zu 28.000 Ausflügler die neue Brücke. Den beiden Investoren verblieb fast jedes Jahr ein Reingewinn von 7.000 Mark. Die Inflation in Deutschland setzte dem Brückenzoll im Jahr 1922 allerdings ein Ende, da die Personalkosten die Einnahmen überstiegen.

Mautfrei überqueren heutzutage besonders in den Sommermonaten weiterhin Tausende Ausflügler die Sechserbrücke in beide Richtungen. Von der Brücke haben die Besucher einen guten Einblick in den Tegeler Hafen und auf das unscheinbare Tegeler Fließ, das parallel zum Hafen, abgetrennt von der langgestreckten Humboldtinsel, verläuft. In die andere Richtung auf den Tegeler See hinaus, ist linker Hand die Insel Hasselwerder und rechts davon die Halbinsel Reiherwerder zu sehen. Dazwischen im Hintergrund kann man bis zum Freibad Tegelersee blicken. Wenige Gehminuten entfernt befindet sich die „Dicke Marie“, der wohl älteste Baum Berlins.

Greenwichpromenade 2

 

Greenwichpromenade

Die schönste Uferpromenade Berlins ist seit mehr als 100 Jahren beliebtes Ausflugsziel der Berliner. Hier kann man ein bisschen maritimes Flair genießen, ausgedehnte Spaziergänge am Wasser mit traumhafter Kulisse über den Tegeler See unternehmen, ein bisschen Tegeler Geschichte erkunden oder mit einem Ausflugsdampfer nach Oranienburg, zum Wannsee, in die Innenstadt oder über die Havelseen schippern.

Seit 1899 aufgrund der Lage als Uferstraße bekannt, wurde der Uferweg um 1966 dem Partnerbezirk Greenwich, einem Stadtbezirk von London gewidmet und in Greenwichpromenade umbenannt. Greenwich war seit dem späten Mittelalter Residenz der englischen Könige. Auf der Höhe Alt-Tegel erinnert die von der Partnerstadt gespendete rote Telefonzelle sowie ein roter Briefkasten an die britischen Freunde.

Der Fußweg verläuft am Ufer des Tegeler See zwischen Borsigdamm und Gabrielenstraße, er führt über die Tegeler Hafenbrücke. Auf der Greenwichpromenade liegt ein Abschnitt des „Heiligenseer Wegs“, der einer der jüngst angelegten 20 Grünen Hauptwege ist.

An der Greenwichpromenade wurde Mitte der 2000er Jahre neben den Dampferanlegestellen auch ein Kreuzfahrt­anleger eröffnet. Hier legen allerdings keine großen Kreuzfahrtschiffe in alle Welt ab, wie es die Schilder Kreuzfahrtterminal suggerieren, sondern kleinere Flusskreuzfahrtschiffe, unter anderem nach Stralsund und Prag.

Von den Anlegestellen aus kann man mit einem Ausflugsdampfer eine Fahrt über den Tegeler See zu den Potsdamer Gewässern, dem Niederneuendorfer See oder direkt in die Berliner Innenstadt, über den Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal bis zum Regierungsviertel unternehmen. Beliebt sind auch die Rundfahrten vorbei an den sieben Inseln durch schönste Natur. Vom Schiff aus hat man den Blick auf die Villa Borsig, ehemaliger Sitz der Industriellenfamilie Borsig, heute im Besitz des Auswärtigen Amtes. An drei Terminen im Sommer wird auf der Havel eine gigantische Party gefeiert. Mallorca-Feeling direkt in Berlin – so lautet das Motto der Betreiber.

Daneben laden Ausflugsgaststätten, gepflegte Parkanlagen, Bänke, Minigolf und Bootsverleih die Besucher zum Erholen und Verweilen ein.

Nicht weit entfernt sind Alt-Tegel, der erhaltene, dörfliche Kern des Stadtteils Tegel sowie das Schloss Tegel, in dem die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt ihre Kindheit verbrachten.

An der östlichen Seite des Tegeler See befindet sich der Hafen der ehemaligen Borsig-Werke. Hier steht seit 1956 der schlanke Borsigbogen von Gerhard Schultze-Seehof mit Bildmosaiken oberhalb der breiten Freitreppe, die vom Anfangspunkt der Promenade bis hinunter an den See führt.