Grünes Haus

 

Das grüne Haus

1845 verbanden sich mehrere christlich gesinnte Männer in der Absicht, verlassene Kinder »aus ihren unseligen Verhältnissen, in welchen sie bei längerem Verweilen sittlich verderben würden, herauszunehmen und durch christliche Erziehung zu nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft heranzubilden«. Zwei Jahre später wurde eine Anstalt gegründet.

In der Neuen Hochstraße im Wedding konnte ein Haus genutzt werden, das der Verein mit Hilfe königlicher Unterstützung erworben hatte. Wohl aus diesem Grund trug es bis 1856 die Bezeichnung »Königshaus«. Wegen seines Anstriches (nach anderer Quelle wegen Rankpflanzen am Haus) erhielt das Gebäude dann ab 1857 den Namen »Grünes Haus«, während sich der Verein den Namen »Erziehungsverein für verlassene Kinder im Grünen Hause zu Berlin« zulegte.

Im Jahre 1888 beschloss der Vorstand den Verkauf des Grundstückes und die Verlegung der Anstalt. Im Spätherbst 1890 konnte in der Müllerstraße 52 ein Grundstück gekauft und die Einrichtung hier bedeutend vergrößert werden. Der Name »Grünes Haus« blieb unverändert erhalten.

Der Verein erwarb dann im Jahre 1914 von der Gemeinde Tegel am Hermsdorfer Weg (heute Ziekowstraße / Ecke Wilhelm-Blume-Allee) ein Grundstück, auf dem eine Erziehungsanstalt errichtet wurde. Die Unterhaltskosten trug die Stadt Berlin. Auch die Gemeinden beteiligten sich hieran, soweit sie Kinder im »Grünen Haus« unterbrachten. Im November 1921 beherbergte das Haus 135 Zöglinge im Alter von 6 bis 12 Jahren. Die Kinder wurden in Gruppen von maximal 8 Personen aufgeteilt, hatten als Leiter einen Lehrer, Erziehungsgehilfen oder eine Kindergärtnerin und erhielten Schulunterricht in vier aufsteigenden Klassen. Nach vollendetem 14. Lebensjahr wurden die Zöglinge entlassen und einem Beruf zugeführt.

1943, das Haus befand sich zwischenzeitlich im Eigentum der Stadt Berlin, brannte das Gebäude nach einem Luftangriff nieder. Der 1947 wieder gegründete Verein der Freunde des »Grünen Hauses« erreichte einen Wiederaufbau der Einrichtung. An die alten Erziehungsstrukturen wurde angeknüpft, zusätzlich entstanden Ausbildungsmöglichkeiten für Schuhmacher, Tischler, Schlosser und Gärtner.

Anfang der 1960er-Jahre wurde das Heim in seiner bisherigen Form aufgelöst. Eine von einem Arzt geleitete Beobachtungsabteilung für psychisch kranke Jugendliche im Alter von 12 bis 21 Jahren wurde durch das Landesjugendamt eingerichtet. Bis 1969 führte das »Grüne Haus« noch seinen althergebrachten Namen. Als Jugendhilfsstelle (damit Nebenstelle des Hauptpflegeheimes) diente das Haus von 1974 bis 1981.

Eine umfangreiche Renovierung war erforderlich, als das Haus 1981 vom Berliner Jugendclub e. V. übernommen wurde. Seit 1982 wurde es als Jugendgästehaus genutzt. Schulklassen, Sportvereine und Fortbildungsgruppen bis zu einem Alter von 27 Jahren nutzten die Unterkunftsmöglichkeit mit 150 Betten. In den Jahren 2011 bis 2014 wurde das Haus umfangreich saniert und umgebaut. Heute wird es vom Humboldt-Gymnasium genutzt.