Frohnau

Ludolfinger Platz_Casinoturm 3

 

Ludolfinger Platz / Casinoturm

Die Architekten Gustav Hart und Alfred Lesser entwarfen den Bahnhof Frohnau, den 30 Meter hohen Casinoturm sowie den angrenzenden Ludolfinger Platz.

Der westlich der Bahnlinie vor dem zur Einweihung im Jahre 1910 errichteten Casinoturm gelegene Ludolfinger Platz, der leicht kleiner ist als sein Bruder auf der anderen Seite, bildet ein Oval mit einem Durchmesser von 105 Metern. Der Platz ist leicht erhöht, die Differenz wird durch eine Treppen- und Terrassenanlage überbrückt. Von dem in eine kleinere und eine größere Anlage unterteilten Schmuckplatz führen ebenfalls fünf Straßen strahlenförmig in die Siedlung.

Die mittlere, der in gerader Verlängerung zur Mittelachse des Platzes liegende Sigismundkorso, ist zu einer zweibahnigen Promenade mit einem breiten Grünstreifen in der Mitte ausgebaut. Ein rundes Wasserbecken mit einer Fontäne prägt die dem Bahnhof vorgelagerte kleinere Anlage, von der man über die Straße in den architektonisch gestalteten größeren Platz gelangt.

Der größere Teil des Platzes wird dominiert vom Fontänenbrunnen, der nach Entwürfen von Brix, Genzmer und Lesser gefertigt wurde und 1912 das erste Mal sprudelte.

Der Casinoturm war ursprünglich ein 30 Meter hoher Wasserturm mit Aussichtsplattform, dem ein Casinokomplex mit Restaurantbetrieb vorgelagert war. Er war Wahrzeichen und Landmarke des Ortsteils, im Zweiten Weltkrieg wurde er als Flakturm für die Stellung von Flugabwehrkanonen genutzt. Die Turmfassade ziert am Eingang der Nordseite ein Hirschkopf mit einem echten Geweih, welches in ein historisches Wappen eingelassen ist; der erlegte Hirsch stammt aus dem damaligen kaiserlichen Hofjagdrevier bei Oranienburg. An seiner Südwestecke verfügt der Turm über einen bis zur Höhe von etwa 20 m führenden Treppenturm, der sich wie ein Eckerker an den Turmbau anfügt.

Turm und Bahnhof überstanden den Krieg – wie ganz Frohnau – unbeschadet, nur das Casino wurde zerstört. Was der Casinoturm und das ihn umgebende Ensemble nicht so gut überlebt haben ist die Neuzeit: Häufige Besitzerwechsel, Geschäftsaufgaben und dubiose Investoren haben dazu geführt, dass der Komplex lange leer stand.

Inzwischen hat die denkmalgerechte Sanierung und eine Erweiterung Platz für Wohnraum, modernen Einzelhandel, gastronomische Angebote und Dienstleistungen geschaffen. Zu besonderen Anlässen ist eine Turmbesteigung, die einen einmaligen Ausblick über Frohnau und Berlin bietet, wieder möglich.

Ludwig-Lesser-Park 2

 

Ludwig-Lesser-Park

Der Park wurde um 1908 von Lesser angelegt und hieß ursprünglich nur Erholungspark. Er wurde 1935 nach dem Frohnauer Kunstmaler Ernst Schwartz umbenannt, der als SA-Reserveführer 1932 bei einer Schlägerei mit Kommunisten erstochen worden war. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs benannte die Rote Armee das Gelände in „Park der Roten Armee“ um. In Gedenken an rund 30 in Frohnau gefallene Soldaten errichteten sie ein Ehrenmal, welches im Juni 1945 eingeweiht wurde. 1951 erfolgte der Abriss des Ehrenmals, nachdem zuvor alle gefallenen Soldaten in den sowjetischen Soldatenfriedhof nach Schönholz überführt wurden. Sieben Jahre später wurde der Park nach Lesser benannt.

Lessers Parkanlagen zeichnen sich durch eine hohe Naturbelassenheit aus. Daher findet man im Park nur den Ludwig-Lesser-Teich, der abfließendes Regenwasser aufnimmt. In der Nähe des Teichs befindet sich ein inzwischen stark verwittertes Säulenkapitell. Es stammt vom 1893 abgetragenen alten Berliner Dom.

Nachdem der Spielpark zuletzt stark in die Jahre gekommen war, folgte eine aufwendige Umgestaltung. Das Ergebnis ist ein höchst abwechslungsreiches Bewegungsangebot welches den Anspruch hat, generationsübergreifend attraktiv zu sein.

Neben einer Calisthenics-Anlage, Reck- und Klimmzugstangen in verschiedenen Höhen, einer Sprossen- und Hangelleiter sowie einem Barren gibt eine Tafel mit Übungsanleitungen Tips zum Trainieren.

Ein beeindruckender Spiel- und Kletterbereich mit einem über zehn Meter hohen Kletterturm, zwei Rutschen und einem riesigen Raumnetz bietet Triitopia auf sieben Etagen unbegrenzte Möglichkeiten für Spaß, Abenteuer und Bewegung.

Zum Klettern, Balancieren, Hangeln oder Schwingen lädt ein Niedrigseilgarten ein und für die Kleinsten bietet der umfangreiche Kleinkindbereich mit Sandwerkstatt, Nestschaukel und Spielhaus Spielspaß für Kinder von 0-3 Jahren.

Poloplatz Frohnau

 

Poloplatz Frohnau

Nördlich des Ludwig-Lesser-Parks befindet sich der ursprünglich von Lesser als Freizeit- und Erholungspark geplante Poloplatz. Die charakteristische ovale Rasenfläche mit den Stallungen und der umsäumenden Kastanienallee wurde im Jahr 1913 mit einem Turnier eingeweiht und beheimatete viele Jahre den Berliner Polo-Club.

Der Platz wurde von 1913 bis 1932 zum Polospielen genutzt. Während der Weimarer Republik war der Polosport eine olympische Disziplin. Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmte das französische Militär den Poloplatz als „Centre Hippique“ und veranstaltete hier Pferderennen.

Nach dem Krieg war der Poloplatz Heimat für verschiedene Reitvereine bis schließlich in den 60er Jahren der Frohnauer Reitclub einzog. Mitglieder des Frohnauer Reitclubs waren vor allem Dressur- und Springreiter. Jährliches Highlight war das bis 2009 vom FRC veranstaltete Dressurfestival, auf dem sich die besten Dressurreiter Deutschlands trafen. 2008 und 2009 war der Poloplatz zudem Austragungsort der Deutschen Meisterschaft der Dressurreiter mit Handicap.

Seit 2005 ist zusätzlich die Reitschule der Stiftung Synanon am Poloplatz ansässig. Aufgabe von Synanon ist es, hilfesuchenden süchtigen Menschen Zuflucht vor ihrer Sucht zu geben, sie in die Synanon-Gemeinschaft aufzunehmen, ihnen ein Zuhause zu bieten und die Möglichkeit, ein selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben ohne Suchtmittel und ohne Kriminalität zu erlernen.

Die Arbeit mit Pferden, die bei der Rehabilitierung von süchtigen Menschen als ein heilendes Moment anerkannt ist, soll Synanon-Bewohnern bei der Wiedererlangung ihres Selbstbewusstseins, ihres Körpergefühls und ihres Sozialverhaltens helfen und dazu beitragen, Lebensängste und Depressionen zu mildern.

Geplant ist die Errichtung eines Reittherapiezentrums, das nicht nur von Synanon-Bewohnern, sondern auch von süchtigen Menschen anderer Suchthilfeeinrichtungen wie auch von körperlich und geistig behinderten Menschen besucht werden kann.

Buddhistisches Haus 2

Buddhistisches Haus 

Man betritt das Grundstück durch das einem ceylonesischen Bau nachempfundenen Elefantentor. Davor führt eine steile Treppe mit 73 Stufen empor, die den edlen achtfachen Pfad Buddhas zur Erlösung vom Leid der Vergänglichkeit symbolisiert. Hinter dem Haus gibt es einen Versammlungsplatz und den „Vertiefungsteich“, eine Anlage, welche die vier Versenkungen des Praktizierenden bis zur Erreichung des Zustandes frei von Glück und Leid symbolisiert.

Dr. Paul Dahlke, Arzt, Schriftsteller und nach einigen Asien-Reisen seit 1900 ergebener Theravāda-Buddhist, hatte schon seinen Traum von einem Buddhistischen Haus auf der Insel Sylt verwirklicht. Durch die Touristenflut gestört, kehrte er nach Berlin zurück und erwarb kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs ein kiefernbestandenes Heidegebiet von rund 36.500 m² in Berlin-Frohnau.

In Rekordzeiten ließ er dort ab 1923 nach seinen, von asiatischen Bauten inspirierten Plänen, das villenartige Wohnhaus, die Meditationsklausen und den Waschraum errichten. Den Bau finanzierte Dahlke unterstützt durch großzügige Spenden. Die Außenanlagen plante er selbst nach seinen Interpretationen buddhistischer Lehren. Im August 1924 war der Bau des „Buddhistischen Hauses“ sowie schon ein Teil der Gartenanlage so weit fortgeschritten, dass Dahlke mit seiner Haushälterin und einigen befreundeten Buddhisten darin einziehen konnten. 1926 folgte ein im japanischen Stil gehaltener Tempelbau, der Ausstellungsraum, auch als Vortragshalle benutzt.

Das „Buddhistische Haus“ war gedacht als ein Platz für die innere Läuterung, soweit man dies erreichen kann in einem Kompromiss zwischen dem Leben als buddhistischem Mönch und den westlichen Bedingungen. Die „Fünf Regeln“ waren die Mindestanforderung an das Verhalten der hier Wohnenden.

An Uposatha-Tagen hielt Dr. Dahlke Vorträge und stand mit Erklärungen stets zur Verfügung. Leider verstarb Dahlke nur vier Jahre nach der Gründung des Buddhistischen Hauses im Februar 1928. Nach seinem Tod, trotz fehlendem Einkommen aus der früheren Praxis, versuchten die Schwestern Dahlke zusammen mit Freunden das Haus in Dr. Dahlke´s Sinne weiterzuführen. Mit dem Ausbruch des Krieges musste die buddhistische Tätigkeit aufhören, die tolerante Lehre mit ihrer allumfassenden liebenden Güte war den Behörden unerwünscht. Nach dem Krieg beherbergte das Haus Flüchtlinge, für deren Zahl seine Möglichkeiten völlig unzureichend waren. Finanzielle Mittel, das Haus instand zu setzen und weiter zu führen, gab es nicht mehr. Sogar ein Abriss wurde erwogen. Ein Verkauf scheiterte an ernsthaften Interessenten. Der Rand des Hügels wurde rundherum nach und nach veräußert.

Dr. Dahlke´s Traum eines Hauses, in dem Buddhisten ständig leben, ging leider erst etwa 30 Jahre nach seinem Tod in Erfüllung. Die „German Dharmaduta Society“ (GDS) erwarb den Besitz von den Erben Paul Dahlkes im Jahre 1957 und gestaltete diesen um in ein buddhistisches Vihâra. Schon im selben Jahr, wurden buddhistische Mönche nach Berlin geschickt. Ein lebendiger Austausch von Pflichten und Rechten zwischen Mönchen und Laienanhängern kam zustande.

1958 kaufte die GDS zwei weitere übrig gebliebene Landstücke von den Erben Herrn Dahlke´s ab. Das Haupthaus wurde vollständig renoviert. Die GDS ließ die Bibliothek und den darunterliegenden Gästetrakt samt sanitären Anlagen in einem hervorragend passenden Stil anbauen. Bücher kamen als Spenden von den meisten aller buddhistischen Länder. Die feierliche Einweihung der Bibliothek fand 1967 statt. Seitdem ist sie aufgeführt im Verzeichnis der öffentlichen Bibliotheken der Stadt Berlin.

1974 wurde das etwas abseits stehende „Ceylon Haus“ restauriert, für Gäste bewohnbar und für Meditationszwecke nutzbar gemacht. Im Jahre 2000, erlebte das Buddhistische Haus eine Erneuerung in allen Ebenen. Im Garten ist eine Steinskulptur der Göttin der Barmherzigkeit, Kannon (Guanyin) zu sehen, die 1959 von der japanischen Stadt Nagoya gestiftet wurde. An einer unbekannten Stelle des Gartens wurde Dahlke seinerzeit beigesetzt; 1988 brachte man zu seiner Ehrung eine Gedenktafel am Eingangstor an.

„Das Buddhistische Haus“ ist heute nationales Kulturgut und steht unter Denkmalschutz. Es gilt als die wichtigste Kultstätte des Buddhismus in Westeuropa und ist das Zentrum für die buddhistische Religion. Zusätzlich sind die Grünflächen am „Buddhistischen Haus“ als Gartendenkmal gelistet.

Entenschnabel

Entenschnabel

In den 1930er Jahren erfolgte die Planung des Geländezipfels „Sandkrug“ und es folgten erste Bebauungen. Bis in die 1950er Jahre blieb es unbedeutend, dass der Landstreifen zur Glienicker Flur gehörte. Der Name „Entenschnabel“ nach der Form der Grenzlinie auf einer geografischen Karte wie ein Enten­kopf mit Schnabel entstammt wohl vorrangig aus der Zeit der Berliner Mauer.

Durch Grenzsperrmaßnahmen ab 1. Juni 1952 war die Durchfahrt für Berliner durch den Entenschnabel nicht mehr möglich. In West-Berlin musste der Verkehr fast 38 Jahre lang an der Berliner Straße in die Burgfrauenstraße und die Zeltinger Straße zur Oranienburger Chaussee umgeleitet werden.

Am 13. August 1961 erfolgte die Absperrung endgültig. Hier hatte die Berliner Mauer wohl einen ihrer absurdesten Verläufe. Beim Bau der Mauer 1961 wurde dieses Gebiet an drei Seiten abgetrennt und damit von den Ortsteilen Frohnau und Hermsdorf abgeschnitten.

Die umgrenzte Fläche war so schmal, dass der für Berlin typische Grenzstreifen hier keinen Platz gefunden hätte bzw. keine Nutzfläche geblieben wäre. Die Grenzsicherung bestand nur aus der eigentlichen Mauer und dem sogenannten Hinterlandzaun und war nur rund drei Meter breit. Am Ende der Sackgasse wurde später eine größere Freifläche geschaffen. Wegen der mangelnden Grenzsicherung durften dort nur noch zuverlässige DDR-Bürger (meistens SED-Parteimitglieder) wohnen. Alle Besucher, auch Handwerker oder Ärzte, bedurften einer Sondergenehmigung. Gelegentlich konnten die Bewohner ihre Häuser nicht verlassen, denn auch sie hatten sich nach den Sonderregeln für Grenzgebiete zu richten.

Die Besonderheiten der Lage nicht zu Berlin gehörender Grundstücke auf der DDR-Seite bot vorzügliche Bedingungen zum Untergraben des Grenzbereichs. Zudem erleichterte Sand als Eiszeit­relikt das Graben im Boden. Die Grenzbefestigung im Zipfel war nur wenige Meter breit, denn diese Anlage konnte nur auf der DDR-(Innen-)Seite angelegt werden. Von Glienicke aus gruben sich 1962/1963 DDR-Bürger einen Weg nach West-Berlin. Die drei Fluchttunnel wurden allerdings nicht direkt aus dem Geländestreifen des Entenschnabels heraus vorangetrieben. Unter Lebensgefahr und vor den Augen der Grenzsoldaten gelang über 50 Personen die Flucht in den Westen.

Sichtbare Zeugnisse des Verlaufs der Mauer finden sich heute kaum noch. Die ehemalige Grenzbefestigung zu West-Berlin wurde beseitigt, die letzten Mauerteile am Entenschnabel fielen im Februar 1991. Privatisierte Flächen wurden zur Bebauung freigegeben. Bei Grabungen in den 2010er Jahren fanden sich Fundamente von Wachtürmen, Teile der Stacheldrahtverhaue, Signalanlagen, Munition und Reste der Tunnelbauten. In den 1990er Jahren erfolgte ein Neubau der Straße. Es erinnert am Ort des Becker-Tunnels nichts mehr an die Grenze; ebenso wenig etwas weiter nördlich, wo der schon 81 Jahre alte Max Thomas im Mai 1962 mit Angehörigen durch den „Rentnertunnel“ floh.

Gedenkstätte Maueropfer

Gedenkstätte Maueropfer

Mindestens 140 Menschen wurden zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer getötet oder kamen im Zusammenhang mit dem DDR-Grenzregime ums Leben:

  • 101 Flüchtlinge, die beim Versuch, die Grenzanlagen zu überwinden, erschossen wurden, verunglückten oder sich das Leben nahmen
  • 30 Menschen aus Ost und West ohne Fluchtabsichten sowie 1 sowjetischer Soldat, die erschossen wurden oder verunglückten
  • 8 im Dienst getötete DDR-Grenzsoldaten, die durch Fahnenflüchtige, Kameraden, einen Flüchtling, einen Fluchthelfer oder einen West-Berliner Polizisten getötet wurden.

Darüber hinaus verstarben mindestens 251 Reisende während oder nach Kontrollen an Berliner Grenzübergängen. Ungezählt sind die Menschen, die aus Kummer und Verzweiflung über die Auswirkungen des Mauerbaus auf ihr Leben starben.

Die Gedenkstätte, ein Mauersegment mit davorgestelltem Holzkreuz wurde am 27.7.1991 an der Ecke von Edelhofdamm und Oranienburger Chaussee aufgestellt. Die Inschrift auf der Tafel lautet: Zum Gedenken an die Opfer der Berliner Mauer 13. 8. 1961 – 9. 11. 1989. Die Inschrift auf dem Kreuz erinnert an Herbert Bauer und Michael Bittner.

Michael Bittner, der in Rosenthal lebte starb mit 25 Jahren bei einem Fluchtversuch1986 ganz in der Nähe, in Höhe Nohlstraße/Oranienburger Straße (Glienicke). Den Fluchtversuch unternahm er nach wiederholt abgelehnten Ausreiseanträgen aus der DDR. Bittner überstieg mit einer drei Meter langen Leiter die hintere Grenzbefestigung und löste dabei die Signalanlage aus. Im Grenzstreifen war er dem Dauerfeuer zweier Soldaten der 3. Kompanie des Grenzregimentes 38 aus etwa 160 Metern Entfernung ausgesetzt und wurde auf der Mauerkrone durch drei Schüsse in den Rücken tödlich getroffen. Bis zum Fall der Mauer wurde der Tod Michael Bittners offiziell geleugnet. Dabei war die Leiche schon am Tag des Fluchtversuchs zur Obduktion ins Armeekrankenhaus Bad Saarow überführt worden.

Herbert Bauer war ein 27jähriger Polizist, der alarmiert worden war, nachdem westdeutsche Besucher in den frühen Morgenstunden des 1. Weihnachtsfeiertags, neun Jahre vor Mauerbau, von angetrunkenen sowjetischen Soldaten belästigt wurden und um Hilfe riefen. Bauer, der vom Edelhofdamm zu Hilfe eilte, wurde auf der Oranienburger Straße im französischen Sektor von den Soldaten angeschossen und verblutete, weil durch weiteres Schießen zwischen hinzugekommenen West-Berliner Polizisten und den Soldaten jegliche Hilfeleistung unmöglich wurde. Zur Trauerfeier für Bauer am 30.12.1952 vor dem Rathaus Schöneberg versammelten sich hunderttausende Berliner, „auf dem Weg zum Friedhof Tegel säumten eine Million Menschen die Straßen, um Herbert Bauer die letzte Ehre zu erweisen“

Invalidensiedlung

Invaliedensiedlung Frohnau

Die heutige Invalidensiedlung Frohnau entstand im Jahre 1937 als Ersatzsiedlung und Erweiterung für das seinerzeit abgerissene Invalidenhaus Berlin.

Im Jahre 1705 regte König Friedrich I. in Preußen zur Gründung eines Invalidenhauses in Berlin an. Der Plan, nach französischem Vorbild, umfasste den Bau besonderer Unterkünfte für ausgediente und kriegsinvalide Soldaten. Umgesetzt wurde dieser Plan jedoch erst Jahrzehnte später durch Friedrich II an der heutigen Scharnhorststraße in Berlin-Mitte. Bei der Wahl des Standorts der barocken dreiflügeligen schlossähnlichen Gebäudeanlage, deren Hauptfront zum später angelegten Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal zeigte, hatte der König auf die Nähe zur Charité Wert gelegt. Am 15. November 1748 wurde das Invalidenhaus Berlin erstmalig bezogen.

Aufgabe der Institution war, kriegsbeschädigten Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften ein Unterkommen, Verpflegung, Kleidung und ärztliche Betreuung kostenlos zur Verfügung zu stellen. Zur Finanzierung war das Invalidenhaus von Friedrich II. mit umfangreichem Landbesitz und Bargeld ausgestattet worden; die für die Invaliden tätigen Handwerker und Händler genossen auch Freiheit von Steuern und Abgaben, damit sie ihre Erzeugnisse besonders „wohlfeil“ an Insassen abgeben konnten. Der König wollte auf diese Weise erreichen, dass sich das Invalidenhaus aus dem vorhandenen Grund- und Sachvermögen selbst erhalten konnte und dem Staatshaushalt nicht zur Last fiel.

Im Haus waren insgesamt Plätze für 631 Personen. Jeweils vier ledige Soldaten und ein verheirateter Soldat nebst Frau bewohnten ein Zimmer mit Kammer. Für je 30 Bewohner war eine Küche zur Selbstversorgung vorgesehen. Die Organisation war einer militärischen Einheit nachgestaltet. Die Invaliden waren in drei Kompanien eingeteilt, die aus je 190 Mann, zehn Unteroffizieren, einem Fähnrich und zwei Leutnants bestanden.

Das gesamte Invalidenhaus unterstand einem Kommandanten, ab 1847 einem Gouverneur. Sämtliche Insassen wurden etatmäßig nach ihren Dienstgraden besoldet. Sie trugen auch außerhalb des Dienstes Uniform, hatten im Bezirk des Invalidenhauses Wachdienst zu verrichten und an der sonntäglichen Kirchenparade teilzunehmen. Das Haus hatte besondere Geistliche beider Konfessionen und war mit eigenem Parochialrecht ausgestattet. Die Invaliden bildeten außerdem eine selbstständige Gemeinde mit eigener Zivil- und Strafgerichtsbarkeit.

Diese Ausgestaltung behielt das Invalidenhaus im Wesentlichen bis zum Ende des Ersten Weltkriegs, wenn auch im Laufe der Zeit gewisse Änderungen eintraten. So war im 19. Jahrhundert die eigene Gerichtsbarkeit aufgehoben worden und die Invaliden hießen später „Pfleglinge“. Die Zahl der untergebrachten Soldaten sank zugunsten einer größeren Aufnahme von ganzen Familien, sodass der Wohncharakter mehr in den Vordergrund trat.

1937 wurde das Invalidenhaus dem Reichskriegsministerium zugeordnet. Das nationalsozialistische Heeresbauamt leitete 1937 den Bau der neuen Invalidensiedlung. Für Versehrte des Ersten Weltkriegs wurden 50 behindertengerechte zweigeschossige Klinkerbauten mit 150 Wohnungen sowie Wirtschafts- und Gemeinschaftsgebäude gebaut. Kommandant der Anlage war Oberst Wilhelm Staehle, der als Unterstützer der Widerstandsgruppe am 23.04.1945 von Mitgliedern der SS hingerichtet wurde. Nach ihm wurde die heutige Zufahrtsstraße benannt.

Das heutige Restaurant Landhaus Hubertus ist das ehemalige Gemeinschaftshaus von 1938 bis 1945. Das Gemeinschaftshaus war mit einer für damalige Verhältnisse modernen und leistungsfähigen Kinoanlage ausgestattet. Zu den hier veranstalteten Feiern gehörten Geburtstage des Führers und Friedrich II.

Ihre soziale Bedeutung hat diese Siedlung nicht verloren. Heute wird die Invalidensiedlung Schritt für Schritt liebevoll restauriert und zu Wohnzwecken für Menschen mit Handycap angeboten. Der malerisch gelegene Gebäudekomplex besteht aus ca. 49 Mehrfamilienhäusern mit 180 Wohnungen und einem Gemeinschaftshaus, die nach und nach barrierefrei ausgestattet werden.

Frohnau Nturschutzturm

Naturschutzturm am Mauerweg

Der Naturschutzturm in Bergfelde ist eine von vier noch erhaltenen Führungsstellen der Grenztruppen der ehemaligen DDR und ist seit 2009 als Baudenkmal geschützt. Mit Errichtung und Ausbau der Sperranlagen an der Innerdeutschen Grenze waren Beobachtungstürme oder Grenztürme ein wichtiger Bestandteil des Grenzsicherungssystems. Die Türme dieser Art dienten hauptsächlich dazu, die Flucht von DDR-Bürgern zu verhindern und befanden sich meistens unmittelbar hinter den vordersten Grenzanlagen (Grenzzaun oder Grenzmauer). Die ursprünglich aus Holz errichteten Beobachtungstürme wurden ab etwa 1969 durch Betontürme ersetzt. 

Die ehemalige Grenze zwischen dem Bezirk Potsdam der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) und West-Berlin verlief im Bereich zwischen Bergfelde und Berlin-Frohnau durch ein Waldstück. Dieser Abschnitt wurde als Teil der Grenze zwischen der Viermächte-Stadt Berlin und der DDR bereits 1952 geschlossen. Ab 1961 wurde der Grenzstreifen mit technischen Sperranlagen als Teil der Berliner Mauer ausgebaut. Die in den 1980er Jahren errichtete „Führungsstelle“ diente der Grenzüberwachung und zugleich als Kontrollstelle für weitere Beobachtungstürme, die durchschnittlich alle 500 Meter im Grenzstreifen standen. Eine „Führungsstelle“ war mit drei Grenzsoldaten und einem Offizier besetzt und verfügte über eine Arrestzelle für „Grenzverletzer“.

Nach der Öffnung der Grenze im Herbst 1989 und dem anschließenden Abbau der Grenzanlagen, wurden auch die meisten der 302 Beobachtungstürme abgerissen. Am 25. Juni 1990 wurde die Führungsstelle Bergfelde an Vertreter der Deutschen Waldjugend übergeben und als Naturschutzturm für Zwecke des Naturschutzes hergerichtet.

Das Gelände rund um den Naturschutzturm steht seit 1990 für Kitas, Schulen und andere Bildungsträger offen, die sich über Natur und Geschichte informieren möchten. Darüber hinaus gibt es das Angebot für interessierte Gruppen, Führungen am Turm und im Gelände, in das nahe gelegene Landschaftsschutzgebiet Treugraben, zum Moor, in die Heide oder zum Hubertussee wahrzunehmen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene sollen hier für den Wald und die Naturzusammenhänge begeistert und deren Bedeutung für den natürlichen Kreislauf erläutert werden, um ein umweltgerechtes Verhalten zu fördern.

Frohnau Hubertussee

Hubertussee

Waldiger geht es kaum in der Großstadt, dunkel und verwunschen mitten im Wald liegt der nördlichste See Berlins mit 1,4 Hektar und einer geheimnisvollen Aura. Gerade an nebligen oder verregneten Tagen erwartet man, dass jeden Augenblick Feen oder andere Fabelwesen aus dem See auftauchen.

Der See wurde aus einem verlandeten Tümpel der alten Bieselheide geschaffen, als hier um 1910 ein exklusiver Vorort der Gartenstadt Frohnau entstehen sollte. Im späten 19. Jahrhundert wurde hier Ton für die nahegelegene Ziegelei gegraben. Der Aushub des Sees wurde zur Verbesserung des Bodens und für Aufschüttungen bei den Ausbauarbeiten Frohnaus verwendet. Ursprünglich sollte die Bebauung Frohnaus bis zum See reichen. Der erste Weltkrieg und seine Folgen beendeten jedoch das ambitionierte Vorhaben. Die Natur holte sich im Laufe der Jahre die bereits gepflasterten Straßen zurück, der Hubertusweg und der Jägerstieg lassen die alten Zeiten nur noch erahnen. Heute liegt der See im Kiefernhochwald der alten Bieselheide, unmittelbar an der Grenze zu Bergfelde (Ortsteil von Hohen Neuendorf) und Schönfließ (Ortsteil von Mühlenbecker Land) im Landkreis Oberhavel (Brandenburg).

Zur verwunschenen Atmosphäre trägt sicherlich bei, dass das Waldgebiet heute unbewirtschaftete Referenzfläche der Berliner Forstverwaltung ist, auf der jeglicher menschliche Eingriff unterbleibt.

Heute ist der Hubertussee wunderbar geeignet, um eine erfrischende und entspannende Auszeit von der Stadt zu nehmen. Zu Fuß oder mit dem Rad ist er sehr gut über den Berliner Mauerweg zu erreichen und über den Hubertusweg oder den Jägerstieg. Versteckt dazwischen liegen die Ateliers vom Künstlerhof Frohnau , der zweimal im Jahr seine Pforten für Besucher öffnet.

Folgt man dem Hubertusweg in die andere Richtung über die B 96, wird er zum Staehleweg, der uns zur Stärkung in das Landhaus Hubertus und in die „Invalidensiedlung“  mit ihrer bemerkenswerten Geschichte führt.