Mühle Tegel

 

Humboldtmühle

Die südöstlich vom Schloss Tegel, direkt an der Mündung des Fließes gelegene Mühle wurde erstmalig 1361 urkundlich erwähnt, entstand aber wohl schon im 13. Jahrhundert. Sie bezog das für ihr Wasserrad benötigte Antriebswasser aus dem aufgestauten Tegeler Fließ. 1375 stammte fast die Hälfte des Tegeler Steueraufkommens von der Mühle.

Der Name Humboldtmühle lässt vermuten, dass auch die Humboldts die Mühle einmal besaßen. Tatsächlich kaufte 1776 der Vater der Brüder Alexander und Wilhelm von Humboldt das Gebäude. Es blieb 34 Jahre lang im Familienbesitz. Der Besitz einer Mühle war bis zum Ende des Mühlenzwangs 1810 ein lohnendes Geschäft.

Die Tegeler Mühle war tatsächlich bis dahin eine der größten der elf Wassermühlen des Niederbarnim. 1834 brannten die Gebäude ab und wurden von Besitzer Treskow an gleicher Stelle wiederaufgebaut. Eine neue wirtschaftliche Grundlage erhielt die Mühle nach dem Kauf durch den Mühlenmeister Johann Gottfried Thießen und seinen Teilhaber Karl Friedrich Henning 1847. Unromantisch ohne Wasserrad, dafür qualmend mit Dampfkraft wurde ab 1848 maschinell gemahlen. Ab 1851, mit der Vertiefung des Fließes, konnte die Mühle per Schiff vom Tegeler See aus angefahren werden.

Die Unternehmer Cohn & Rosenberg ließen 1887 die Anlage unter dem Namen “Humboldt-Mühle” zu einer leistungsstarken Großmühle ausbauen. 1897 erweiterte der neue Besitzer die Kapazität durch den Bau eines dreistöckigen Mühlenhauses. Ein Großbrand zerstörte 1912 viele der Gebäude, sodass 1913 das noch heute erhaltene Mühlengebäude über dem Tegeler Fließ entlang der Schlossstraße (heute: An der Mühle) erbaut wurde. Zum Güterbahnhof Tegel bestand jetzt ein Gleisanschluss, der 1978/1980 aufgegeben werden musste. Die Victoria-Mühlenwerke beteiligten sich ab 1924 an der Humboldtmühlen-AG und gliederten sie 1930 in ihr Unternehmen ein. Der heute noch weithin sichtbare Getreidespeicher wurde 1940 neu erbaut, nachdem der alte 1937 abgebrannt war. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Mühle ohne Beeinträchtigung. Nach dem Krieg bekam sie eine wichtige Funktion zur Versorgung der Bevölkerung von West-Berlin. Durch Mehrschichtbetrieb konnte die Tagesleistung auf 360 Tonnen verdoppelt werden, auch die Belegschaft vergrößerte sich auf 105 Beschäftigte, wurde aber durch Rationalisierung bis in die 1960er Jahre auf 60 verringert. 1964 galt die Humboldt-Mühle, drei Jahre zuvor mit Elektromotor ausgestattet, als leistungsstärkste Mühle Westberlins. 1988 wurde der Betrieb der Mühle eingestellt. Dabei war gerade erst ein Jahr zuvor, 1987, ein neuer Stichkanal zur Tegeler Humboldtmühle fertig geworden, der für Schiffe bis 1.000 Tonnen befahrbar war.

Der Umbau für eine zeitgemäße Nutzung, unter Bewahrung der historischen Bausubstanz, wurde in den Jahren 1989-92 erfolgreich realisiert. Das 1848 errichtete „Beamten-Wohnhaus“ war eine Villa für die damaligen Direktoren und ist heute das älteste Haus auf dem Gelände. Das markante Mühlengebäude aus roten Ziegelsteinen in der Straße „An der Mühle“ wurde 1913 fertig. Die Gebäude und der Getreidespeicher wurden restauriert und auf eindrucksvolle Weise mit neuer Architektur ergänzt.

Seit Februar 2009 befindet sich in den Gebäuden am Tegeler Fließ die Medical Park Berlin Humboldtmühle. Sie gehört zur Unternehmensgruppe Medical Park, die vom Bauherrn und Investor der Humboldtmühle, Ernst Freiberger, betrieben wird. Die Medical Park Humboldtmühle ist eine Fachklinik für Neurologie, Orthopädie und Innere Medizin/Kardiologie, außerdem ein Schlaganfallzentrum mit acht Intensivbetten.