Heimatmuseum Hermsdorf 1

 

Museum Reinickendorf

Die erste heimatkundliche Ausstellung in Reinickendorf wurde 1930 in der heutigen Friedrich-Engels-Oberschule gezeigt. Die Exponate gingen später in die „Heimatschau“ über, die seit 1959 im Gutshaus Wittenau untergebracht war. Diese Sammlung bildet den Grundstock des heutigen Museumsbestandes. Seit 1980 befindet sich im Hauptgebäude der ehemaligen Dorfschule von 1889 in Hermsdorf das Museum Reinickendorf. Exponate, Relikte und Ausstellungsräume thematisieren am Beispiel von Reinickendorfer Persönlichkeiten oder Ereignissen unter anderem das Mittelalter, die industrielle Revolution sowie den Ersten und Zweiten Weltkrieg. Anhand der Geschichte des Bezirks lässt sich die Entwicklung des Menschen und der Bundesrepublik nachvollziehen. Die verschiedenen geschichtlichen Stationen werden in 11 Räumen dargestellt.

Dabei beginnt die historische Betrachtung des Bezirks früh: Besucher steigen mit dem Ende der letzten Eiszeit vor rund 15.000 Jahren ein. Im Raum für Vor- und Frühgeschichte ist etwa das Profil einer altsteinzeitlichen Vorratsgrube aus dem Tegeler Fließ zu sehen, der „Sechs-Dörfer-Raum“ erklärt die Entwicklung des Bezirks aus den mittelalterlichen Dörfern Tegel, Hermsdorf, Lübars, Heiligensee, Wittenau und Reinickendorf.

Auf dem Freigelände hinter dem Museum wurde ein germanisches Gehöft rekonstruiert, eine in Ausmaß, Bauweise und Inneneinrichtung original nachgebildete Wohnanlage der Semnonen, die von ca. 500 v. Chr. bis ca. 500 n. Chr. im Berliner Raum ansässig waren, die aus begehbaren Langhaus, Webhaus und einem Speicher besteht. Außerdem dient ein Schuppen als Ausstellungsraum für landwirtschaftliches Gerät aus dem 19. Jahrhundert.

Ein Raum geht auf die Rolle Reinickendorfs für die Rüstungsproduktion der Nationalsozialisten, die französische Besatzung und die Folgen der deutschen Teilung ein. Zudem wurde das Arbeitszimmer des 1997 verstorbenen Arztes, Philosophen, Künstlers und Schriftstellers Wladimir Lindenberg im Museum rekonstruiert.

Im Erdgeschoss des Museums sind Werkstätten der Handwerker im 19. JH eingerichtet. Eine Zimmermannswerkstatt, der Werkraum eines Schuhmachers, eine Buchbinderei, eine kleine Sattlerwerkstatt und eine Schmiede geben einen Eindruck von der Arbeitsweise in den jeweiligen Handwerken. Das historische Klassenzimmer im Museum erinnert an die ursprüngliche Nutzung des heutigen Museumsgebäudes. Die nachgebaute Küche im Untergeschoss des Museums zeigt die Einrichtung einer Arbeiterfamilie um 1920 sowie eine historische Waschküche.

2010 erfolgte die Neugestaltung der Försterstube, in der werfen diverse Jagdtrophäen, Instrumente der Försterei sowie historische Postkarten und Dokumente atmosphärische Schlaglichter auf die Entwicklung der bezirklichen Försterei und Jägerei seit dem 17. JH. Auch wer mehr erfahren möchte, über den angeblichen Spuk im Tegeler Forsthaus, der 1797 die Gemüter beunruhigte, wird in der Försterstube aufgeklärt.

 

Im November 2019 wurde der Hannah-Höch-Raum eingerichtet, in dem mit Werken Hannah Höchs sowie Objekten und Zeugnissen aus ihrem Nachlass Einblicke in ihre Lebenswelt gegeben werden und der Erinnerung an die berühmte Künstlerin am dauerhaften Platz Rechnung getragen wird.