Wasserwerk Tegel 2

 

Wasserwerk Tegel

Auf dem Gelände am Ostufer des Tegeler Sees, ließ die Gemeinde Tegel 1898 ihr von dem Charlottenburger Ingenieur Emil Prinz geplantes Wasserwerk errichten. Hierzu gehörten ein Verwaltungsgebäude, ein Betriebsgebäude mit den erforderlichen Pumpen, sechs Rohrbrunnen zum Ansaugen des Rohrwassers auf dem Grundstück, eine Enteisenungsanlage in Form eines niedrigen Rundturms sowie ein 30 m hoher Wasserturm mit einem hochgelegten Speicherbecken, das 400 m3 Reinwasser fasste. Von hier wurde das Wasser unter Druck durch das Ortsnetz zu den Abnehmern geleitet, zu denen auch die Strafanstalt Tegel gehörte. Die Gebäude des Wasserwerks waren in den damals üblichen Formen der Backsteingotik gehalten. Wegen des starken Wachstums des Ortes reichte die auf eine Versorgung von 6.000 Personen ausgerichtete Anlage bald nicht mehr aus. Schon 1902 mussten Erweiterungsmaßnahmen ausgeführt werden.

1907/08 erweiterte man das Maschinenhaus. 1912 wurden zehn zusätzliche Rohrbrunnen auf dem Wasserwerksgrundstück angelegt und ein zweiter Enteisenungs-Rundturm errichtet. Nun konnte man 16.000 Personen mit Wasser versorgen. 1914 erzielte das Wasserwerk einen Gewinn von 18.400 Mark. Ein südöstlich angrenzender Geländestreifen wurde im Gemeindegebiet Wittenau erworben und dem Gemeindegebiet Tegel eingegliedert.

Nach der Eingemeindung Tegels in Berlin übernahm das Berliner Wasserwerk 1924 auch die Belieferung von Tegel, und das Tegeler Gemeinde-Wasserwerk wurde stillgelegt. Das Grundstück blieb Jahrzehntelang im Eigentum der Berliner Städtischen Wasserwerke. Der Wasserturm wurde 1928 abgebrochen, das Maschinenhaus zu einem Wohnhaus umgebaut und es wurde eine Werkstatt zur Rohrverlegung und -unterhaltung eingerichtet. Heute sind die Gebäude in dem Wäldchen kaum noch zu sehen, und die Randgrundstücke des einstigen Wasserwerksgeländes sind inzwischen abgetrennt und mit Wohn- und Geschäftshäusern bebaut worden. Das ganze Gelände gehört jetzt zum Ortsteil Wittenau.

1989 stellten die Berliner Wasserbetriebe hier zwei stillgelegte Sandfilter als Fledermausquartier zur Verfügung. Bis dahin war das Gebäude für die Tiere nicht nutzbar. Als Anfang der 1990er Jahre auch noch zahlreiche Verstecke für Fledermäuse eingerichtet wurden, stieg ihr Bestand rasant an. Die alten Gewölbe wurden von typischen Höhlenüberwinterern besiedelt: Braune Langohren, Fransen- und Wasserfledermäuse zogen ein. Ein besonderer Erfolg ist die Entwicklung des Mausohrenbestandes. Unter den hier inzwischen überwinternden etwa 1.300 Individuen sind 138 Große Mausohren.

Eine Bürgerinitiative „Altes Wasserwerk Tegel“ setzt sich seit Jahren dafür ein, das Gelände zu kaufen und behutsam und gemeinwohlorientiert zu entwickeln.